Die "Grüne Hausnummer" macht energieeffizientes Sanieren und Bauen sichtbar
Kampagne läuft in der fünften Runde / Hauseigner können sich noch bis zum 15. September bewerben
Noch bis zum 15. September haben Eigentümer von Ein- und Mehrfamilienhäusern aus dem Landkreis Goslar die Möglichkeit, sich im Zuge der bereits fünften Klimaschutzkampagne für die Auszeichnung „Grüne Hausnummer“ zu bewerben.
Ausgelobt wird die Grüne Hausnummer alle zwei Jahre durch das Klimaschutzmanagement des Landkreises Goslar in Kooperation mit der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) und der Energie Ressourcen Agentur Goslar e.V. (ERA). Seit 2017 konnten im Kreisgebiet 30 gläserne Grüne Haunummernschilder für klimafreundliches Engagement vergeben werden, niedersachsenweit sind es seit 2014 nun über 2.000.
Auch Michael Helms und Doreen Bohnsack aus Goslar sicherten sich im Jahr 2023 ihre Grüne Hausnummer, die seither neben ihrer Haustür erstrahlt.
Dabei hatte das Paar, als sie im Januar 2020 überlegten, ihr heutiges Haus zu kaufen, noch gar nicht an eine vollständige energetische Sanierung gedacht. „Das hat sich eigentlich alles so ergeben“, erklärt Michael Helms im Gespräch, „wir mussten uns zunächst orientieren und hatten Glück mit unserem Energieeffizienzberater, der uns das breite Spektrum an möglichen Maßnahmen aufzeigte.“
Helms und seine Partnerin konnten das Haus in Teilen schon vor dem Kauf gemeinsam mit ihrem Energieberater Kai Ingo Putzir aus Salzgitter und den verschiedenen Gewerken in Augenschein nehmen. „Die Gewerke, wenn man so will, haben sich eigentlich gegenseitig empfohlen. Das hat uns sehr geholfen, denn so hatten wir schnell erforderlichen bautechnischen Arbeiten zusammen, die wir für eine Steigerung der Energieeffizienz brauchten“, berichtet Helms weiter. So stand das Sanierungskonzept, abgestimmt auf die Eigenheiten des 1925 erbauten Gebäudes, bereits vor dem Hauskauf. Das erleichterte nicht nur die Finanzierung, da das benötigte Kapital entsprechend im Vorfeld aufgenommen werden konnte, sondern machte es möglich, kurz nach dem Kauf des Hauses im Mai 2020 schon mit den Sanierungsarbeiten zu beginnen.
Während das Erdgeschoss des dreistöckigen Gebäudes massiv gemauert ist, gibt es in den Obergeschossen eine Vorhangfassade und eine Mansarde (zum Wohnen ausgebauter Teil des Dachgeschosses). Auch ein Wintergarten wurde in den vergangenen 100 Jahren angebaut. Um den äußeren Charme des Hauses zu erhalten und weil es auch aus Gründen der Bauphysik und der Finanzen Sinn machte, fiel die Wahl auf eine Innendämmung. „Aufgrund von Sanierungen aus den vergangenen Jahrzehnten, konnte einiges an Wand abgebaut werden, bevor die Innendämmung aufgebracht wurde. Die Räume sind dadurch zwar ein wenig kleiner geworden, doch es hat sich gelohnt. Bei einer Altbausanierung muss man halt Kompromisse eingehen“, sagt Doreen Bohnsack.
Zusätzlich zur Innendämmung sorgen auch die Dämmung der obersten Geschossdecke, des Daches und der Kellerdecke (von oben) sowie die Erneuerung der Fenster durch dreifachverglaste Fenster für einen geringen Energieverbrauch. Lag der Energiebedarf vor der Sanierung noch bei 231,6 kWh/m²a, was der Energieeffizienzklasse G entspricht, so liegt er heute bei 37,2 kWh/m²a (Energieeffizienzklasse A). Eine Verringerung um fast 200 kWh/m²a.
Beim Dämmmaterial entschieden sich die Hauskäufer für Holzfaser und Hanf. Ein Unternehmen aus Wildemann, die diese Arbeiten im Auftrag ausführten, empfahlen zu dem das Aufbringen eines Lehmputzes. Dieser sorgt für ein angenehmes Raumklima, da er Feuchtigkeit aufnimmt.
Die Wärme liefert heute anstelle einer Gasetagenheizung eine Wärmepumpe.
Gefördert wurden die Einzelmaßnahmen durch das KfW-Förderprogramm „Energieeffizient Sanieren“ und die BAFA-Förderung „Heizen mit erneuerbaren Energien“. Die Anträge wurden jeweils vom Energieeffizienzexperten gestellt.
Doch trotz guter Planung gab es auch Überraschungen. So musste die gesamte Hausinstallation erneuert werden.
Die Bauleitung übernahmen die Hausbesitzer in Eigenregie, da sie keinen Architekten hatten. So mussten sie die Gewerke selber koordinieren. Auch vor diesem Hintergrund war es Ihnen wichtig, dass die Handwerkerfirmen bereits vertraut miteinander waren. „Mit den Handwerkern ist es eine Partnerschaft auf Zeit“, zieht Helms sein Fazit und gibt folgenden Tipp: „Frühzeitig mit den Gewerken ins Gespräch kommen und lösungsorientiert zusammenarbeiten, aber auch Missmut ehrlich anzusprechen, ist wichtig.“ Seine Partnerin ergänzt: „Man sollte sich bereits im Vorfeld einer solchen Maßnahme mit den Vor- und Nachteilen bestimmter Dämmmaterialien und unterschiedlicher Heizungslösungen beschäftigen.“
Im Landkreis Goslar bietet die ERA eine kostenlose Erstberatung rund um das Thema Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien im Eigenheim an. Termine können telefonisch unter 05321 6857899 oder per Mail an info@era-goslar.de vereinbart werden. Für mehr Inspiration sind weitere tolle Beispiele auf der Seite der KEAN zu finden unter https://www.klimaschutz-niedersachsen.de/zielgruppen/hauseigentuemer/Gruene-Hausnummer/index.php
Wer sein Haus bereits energetisch ertüchtigt hat oder wessen Neubau dem KfW-Effizienzhausstandard 40 oder dem Passivhausstandard (40 plus) entspricht oder übertrifft, kann sich in genannter Frist für die Auszeichnung „Grüne Hausnummer“ beim Klimaschutzmanagement des Landkreises bewerben. Den Bewerbungsbogen sowie weitere Informationen zu den Voraussetzungen sind im Internet unter www.landkreis-goslar.de/grüne-hausnummer abrufbar.