Umweltminister Meyer besucht Bergwiesen im Oberharz
Landschaftspflegeverbände zeigen Erfolge extensiver Bewirtschaftung und fordern verlässliche Perspektiven für die GAP 2028
Seit Jahrzehnten erhalten Landwirtinnen und Landwirte gemeinsam mit den Landschaftspflegeverbänden durch extensive Mahd und Beweidung die artenreichen Bergwiesen des Oberharzes. Davon profitieren Artenvielfalt, Landschaftsbild und Tourismus.
Wie aufwendig diese Bewirtschaftung ist und vor welchen Herausforderungen die Betriebe stehen, zeigte sich Umweltminister Christian Meyer in der vergangenen Woche bei einem Vor-Ort-Termin in Hohegeiß auf Einladung der Landschaftspflegeverbände Goslar und Göttingen. Gemeinsam mit Bewirtschaftenden sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Naturschutz und Kommunen besuchte er Bergwiesenflächen und informierte sich über Wiederherstellung, extensive Beweidung und die Mahd in den Hanglagen.
Umweltminister Christian Meyer zeigte sich begeistert von der Arbeit der Landschaftspflegeverbände: „Die Bergwiesen im Harz sind ein einzigartiger Lebensraum und zugleich das Ergebnis jahrhundertelanger landwirtschaftlicher Nutzung. Sie zeigen sehr konkret: Naturschutz und Landwirtschaft gehören zusammen. Ohne die Landwirtinnen und Landwirte, die diese Flächen mit viel Aufwand mähen und beweiden, würden wir diese Artenvielfalt verlieren. Mit den Landschaftspflegeverbänden und den Ökologischen Stationen haben wir starke Partner vor Ort, die Landwirtschaft und Naturschutz. Diese Zusammenarbeit wollen wir weiter stärken. Wir werden daher die gute Arbeit der Ökologischen Stationen dauerhaft finanzieren und haben dies auch im Landeshaushalt langfristig abgesichert. Ebenso wollen wir den Niedersächsischen Weg – die enge Kooperation von Naturschutzverbänden und Landwirtschaft – in die Regionen verbreitern und stellen ab 1. Januar 2027 zusätzlich 90 Millionen Euro regionalen Bündnissen von Kommunen, Landwirtschaft und Naturschutz für lokale Projekte zum Arten- und Naturschutz insbesondere zu Pflegemaßnahmen oder Beweidung zur Verfügung. Bei der EU und beim BUND setzt sich Niedersachsen dafür ein, dass solche erfolgreichen Agrarumweltmaßnahmen wie im Harz und Programme wie LEADER fortgesetzt werden und dass die Mittel für die Ländliche Räume nicht zusammengestrichen, sondern dauerhaft abgesichert werden.“
Bergwiesen brauchen Bewirtschaftung
Die einmalige ökologische Qualität der Harzer Bergwiesen ist durch jahrhundertelange extensive landwirtschaftliche Nutzung entstanden. Damit diese Lebensräume erhalten bleiben, müssen sie regelmäßig und standortgerecht bewirtschaftet werden. Beim Termin wurden erfolgreich wiederhergestellte Flächen und die Bedeutung einer kontinuierlichen Bewirtschaftung vorgestellt.
„Unsere Bergwiesen können wir nur erhalten, wenn Naturschutz und Landwirtschaft zusammen gedacht werden“, betont Karl-Fr. Könecke, Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband Goslar e.V. (LPV), „Die Betriebe erbringen Leistungen für Gesellschaft und Artenvielfalt, die sich nicht über den Weltmarkt finanzieren lassen. Dafür brauchen sie eine verlässliche und angemessene Förderung.“
Aufwendige Bewirtschaftung unter schwierigen Bedingungen
Die extensive Weidetierhaltung auf abgelegenen, klein strukturierten Flächen ist besonders arbeitsintensiv. Hinzu kommen notwendige Investitionen in Stallgebäude und Weideinfrastruktur. „Bei uns steckt noch richtig viel Handarbeit und Einsatz drin: Zäune an steilen und steinigen Hängen setzen und täglich kontrollieren, Tiere versorgen an verschiedenen Standorten, Flächen nachpflegen – bei jedem Wetter. Das ist zeitaufwendig und kostet viel“, berichtet Lea Schubert als junge Hofnachfolgerin. „Die steilen Flächen zu mähen, ist jedes Mal eine Herausforderung. Dafür braucht es spezielle Technik, und durch Fichtenbruch und Wildschäden wird die Arbeit zusätzlich erschwert. Auch beim richtigen Mähzeitpunkt müssen wir genau hinschauen“, ergänzt Bergbauer Andreas Neigenfindt.
Verlässliche Perspektiven für die GAP 2028
Ein Schwerpunkt des Austauschs waren die künftigen Rahmenbedingungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und der Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) ab 2028.
Die Landschaftspflegeverbände fordern, die extensive Bewirtschaftung von Bergwiesen und anderem wertvollen Grünland auch künftig angemessen und verlässlich zu honorieren – unter anderem durch Agrarumweltmaßnahmen, Kennartenprogramme und gekoppelte Tierprämien.
„Entscheidend ist, dass die Betriebe Planungssicherheit bekommen. Wer heute extensive Weidehaltung oder eine besonders aufwendige Grünlandbewirtschaftung betreibt und Investitionen auf sich nimmt, braucht auch für die kommenden Jahre eine verlässliche Perspektive“, so Ute Grothey, stellvertretende Geschäftsführerin LPV Landkreis Göttingen e.V..
Dafür sei eine enge Abstimmung zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium notwendig. Nur aufeinander abgestimmte Förderinstrumente könnten die Bewirtschaftung wertvoller Offenlandlebensräume dauerhaft sichern.
Investiver Naturschutz und Ökologische Stationen sichern
Neben einer leistungsgerechten laufenden Förderung braucht es ausreichende Mittel für den investiven Naturschutz, etwa für die Wiederherstellung wertvoller Grünlandbiotope sowie Weideinfrastruktur und Stallbau.
„Die Wiederherstellung einer Bergwiese ist der erste Schritt. Damit sie dauerhaft erhalten bleibt, braucht es anschließend einen Betrieb, der die Fläche jedes Jahr bewirtschaftet. Beides muss zusammengedacht und finanziert werden“, lautet eine zentrale Botschaft der Landschaftspflegeverbände.
Die Landschaftspflegeverbände Goslar und Göttingen sind Träger von Ökologischen Stationen, die im Rahmen des Niedersächsischen Weges eingerichtet wurden. Sie unterstützen die Naturschutzbehörden und arbeiten eng mit den Bewirtschaftenden zusammen. Gerade für aktive Umsetzung von Natura 2000 und der europäischen Wiederherstellungsverordnung ist diese Kooperation wichtig. Die Verbände fordern daher eine dauerhafte und verlässliche Finanzierung der Stationen.
„Die Ökologischen Stationen schaffen die Verbindung zwischen Verwaltung, Naturschutz und landwirtschaftlicher Praxis. Diese Strukturen haben sich bewährt und sind für die Umsetzung der Naturschutzziele des Landes und der Managementpläne in den Schutzgebieten unverzichtbar“, so Karl-Fr. Könecke vom LPV Goslar. „Wir können uns keine weitere Verschlechterung der Erhaltungszustände der Lebensraumtypen im Oberharz leisten. Hier liegt die Verantwortung beim Land.“
Zum Abschluss übergaben die Landschaftspflegeverbände Minister Meyer ihre zentralen Forderungen: eine leistungsgerechte und verlässliche Förderung der extensiven Grünlandbewirtschaftung ab 2028, ausreichende Mittel für den investiven Naturschutz und die dauerhafte Finanzierung der Ökologischen Stationen.
Minister Meyer sagte zu, dass er die Forderungen teile, sie auf Landesebene in Bezug auf die Ökologischen Stationen und investiven Naturschutz im Rahmen des Niedersächsischen Weges umsetzen werde, sowie sich bei BUND und EU zusammen mit Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte für eine Fortsetzung der erfolgreichen Agrarumweltmaßnahmen in der EU einsetzen werde: „Wir müssen für Landwirtschaft und Naturschutz Planbarkeit und Verlässlichkeit schaffen.“
Der Vor-Ort-Termin unterstrich die Bedeutung des direkten Austauschs zwischen Politik, Naturschutz und landwirtschaftlicher Praxis. Nur gemeinsam lässt sich sicherstellen, dass die einzigartigen Bergwiesen des Oberharzes auch künftig bewirtschaftet und als Lebensraum für eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt erhalten werden.
Quelle: Gemeinsame Presseinformation des Landschaftspflegeverbandes Goslar e.V. und des Landkreises Goslar