Inhalt
Datum: 2. Juli 2021

Stiko-Empfehlung sorgt für Verunsicherung im Impfzentrum und am Bürgertelefon

Impftermine können ohne Warteliste gebucht werden - Landkreis startet Impfkampagne, die sich an Menschen mit Migrationshintergrund wendet.

Die jüngste Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), dass Menschen, die bei der ersten Impfung die Vakzine von Astrazeneca erhalten haben, künftig unabhängig vom Alter als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff beispielsweise von Moderna oder Biontech erhalten sollen, hat im Impfzentrum des Landkreises und am Corona-Bürgertelefon am heutigen Freitag (2. Juli) für zahlreiche Nachfragen und die Absage von Terminen geführt.

Wie Claudia Thiele, Leiterin des Impfzentrums in Oker, berichtet, hat die Stellungnahme große Verunsicherung hervorgerufen und letztlich erneut dazu geführt, dass eine Impfung mit dem Präparat des schwedisch-britischen Herstellers auf Ablehnung stößt. Die Organisation im Impfzentrum stellt das vor eine große Herausforderung, denn für Personen ab 60 Jahre war bisher auch bei der Zweitimpfung das Präparat von Astrazeneca vorgesehen. Das Land Niedersachsen hat nun zwar angekündigt, dass künftig auch hier für die Zweitimpfung ein mRNA-Impfstoff eingeplant werden soll. Solange das Land dieser Ankündigung jedoch nicht durch Lieferung ausreichender Mengen an mRNA-Impfstoff nachkommt, werden die terminierten Zweitimpfungen weiterhin mit Astrazeneca durchgeführt werden müssen.

Landrat Thomas Brych freut es, dass bereits zahlreiche Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Goslar von der Möglichkeit einer Impfung Gebrauch gemacht haben. „Die Impfbereitschaft ist bisher sehr groß gewesen. Ich hoffe, dass es auch so bleibt, damit bis zum Herbst die Mehrheit unserer Bürgerinnen und Bürger geschützt ist. Insofern wäre es ein weiteres positives Signal, wenn die Termine schnell vergeben wären“, sagt der Chef der Goslarer Kreisverwaltung.

Wer Fragen zu seinem bestehenden Impftermin hat oder diesen absagen möchte, richtet sein Anliegen bitte an die E-Mail-Adresse impfen.info@landkreis-goslar.de

Am Montag, 19. Juli, also kurz vor Beginn der Sommerferien, bietet der Landkreis Impftermine speziell für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwölf bis 17 Jahren an. Verabreicht wird der Impfstoff von Biontech. Dieser ist das bisher einzige Präparat, das für die Impfung dieser Altersgruppe zugelassen ist. An diesem Tag wird im Impfzentrum in Oker zusätzlich zu den Ärzten auch eine Vertretung des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes für eine Beratung zur Verfügung stehen. Die Zweitimpfung erfolgt dann am 30. August. Diese Terminbuchung kann über die Hotline des Landes 0800 9988665 oder über das Impfportal und die dortige Warteliste erfolgen.

Derweil hat der Landkreis in dieser Woche auch eine Impfkampagne gestartet, die sich gezielt an Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund richtet. In verschiedenen kurzen Videoclips, die unter anderem auf dem Instagram-Kanal der Koordinierungsstelle für Migration und Teilhabe beim Landkreis Goslar (@demokratieleben_lkgoslar) veröffentlicht werden, nehmen unter anderem die Bad Harzburger Apothekerin sowie DFB- und FIFA-Schiedsrichterin Riem Hussein Stellung zum Thema Impfen. Mit dieser Kampagne, an der sich mit der gebürtig aus Aserbaidschan stammenden Frau Dr. Iskenderova auch eine Goslarer Ärztin beteiligt, möchte der Landkreis Vorurteile abbauen und mögliche Ängste und Vorbehalte hinsichtlich einer Covid-19-Schutzimpfung nehmen.

Erste Kreisrätin Regine Breyther erläutert, dass bei Menschen mit Migrationshintergrund mitunter recht große Skepsis gegenüber einer Impfung gegen eine Erkrankung mit dem Coronavirus herrsche. „Vor allem junge Frauen haben die Befürchtung, dass eine Impfung zur Unfruchtbarkeit führen könnte. Dafür gibt es gegenwärtig jedoch keine belastbaren Anhaltspunkte. Mit der Impfkampagne - so unsere Absicht - wollen wir mit diesen Gerüchten aufräumen und aktiv für eine Impfung werben“, sagt Breyther.

Landrat Thomas Brych blickt derweil - und das natürlich auch aufgrund der aktuellen Verbreitung der hochansteckenden Delta-Variante - mit gemischten Gefühlen auf die steigenden Reisetätigkeiten. „Ich habe vollstes Verständnis, dass die Menschen nach Monaten des Verzichts und der Kontaktbeschränkungen ein erhöhtes Bedürfnis nach sozialer Nähe und der Unternehmung von Reisen verspüren. Bei aller Euphorie und beschwingter Sommerlaune möchte ich jedoch daran erinnern, dass die Pandemie trotz guten Impffortschritts noch nicht überstanden ist. Die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln sowie die Meidung großer Menschenansammlungen sollten daher weiterhin stets Berücksichtigung finden. Bei zwei der drei gemeldeten Neuinfektionen in dieser Woche handelt es sich um Reiserückkehrer. Das Risiko sollte daher nicht unterschätzt werden“, rät Landrat Thomas Brych.