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Datum: 18. September 2026

Landkreis und KWB Goslar weisen anonyme Kritik an Strukturen im Rettungsdienst deutlich zurück

Umfangreiche Stellungnahme in öffentlicher Sitzung des zuständigen Fachausschusses

Die flächendeckende und qualitativ hochwertige Notfallversorgung im Landkreis Goslar steht auf einem soliden Fundament. Dies machten die Kreisverwaltung und die Betriebsleitung der KreisWirtschaftsBetriebe Goslar (KWB) in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Ordnung, Rettungswesen, Gesundheit und Verkehr am Dienstag in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) deutlich. Anlass war eine erstmals im Sommer anonym in Umlauf gebrachte Kritik an den Strukturen des Rettungsdienstes, die auch Medien und politische Fraktionen erreichte. wurde.

Landkreis und KWB wiesen die pauschalen und in weiten Teilen sachlich unzutreffenden Vorwürfe entschieden zurück und informierten Politik und Öffentlichkeit transparent über die tatsächliche Faktenlage, den bundesweiten Fachkräftemangel sowie die Modernisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre.

Die anonym geäußerte Kritik hat sowohl in der Kreisverwaltung als auch in der Belegschaft der KreisWirtschaftsBetriebe erhebliche Betroffenheit ausgelöst. „Ein solcher Umgang entspricht nicht der etablierten Kultur der Zusammenarbeit im Landkreis Goslar und den KWB“, machte KWB-Betriebsleiter Thomas Ebert gleich zu Beginn seiner Ausführungen im Ausschuss deutlich.

Den rund 300 Beschäftigten des Rettungsdienstes steht ein engmaschiges Netz an Beteiligungs-, Beschwerde- und Dialogmöglichkeiten zur Verfügung – von regelmäßigen Mitarbeiterbefragungen, quartalsweisen Dienstbesprechungen und einem „Runden Tisch“ mit der Leitstelle über eine aktive Steuerungsgruppe bis hin zu anonymen Kummer- und Ideenkästen auf allen Wachen. Zudem fungiert die Personalvertretung als vertraulicher Ansprechpartner. Die im anonymen Schreiben genannten Punkte wurden über keinen dieser Kanäle vorab adressiert.

Goslars Erster Kreisrat ordnete das Vorgehen im Ausschuss politisch ein: „Wir nehmen jeden Hinweis und jede Sorge aus der Belegschaft sehr ernst – auch wenn sie uns anonym erreichen. Eine sachliche Aufarbeitung und die gemeinsame Erarbeitung von Lösungen sind jedoch nur möglich, wenn Probleme offen angesprochen werden. Der gewählte Weg, unbestätigte und pauschale Behauptungen anonym an die Öffentlichkeit und die Medien zu tragen, ist unfair gegenüber den vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen, die täglich im Rettungsdienst hervorragende Arbeit leisten. Eine solche Kampagne führt unweigerlich zu einer massiven Rufschädigung unserer Institutionen und verunsichert die Bevölkerung ohne sachlichen Grund. Das können und werden wir so nicht stehen lassen.“

Der bundesweite Fachkräftemangel im Gesundheits- und Rettungswesen macht auch vor dem Harz nicht halt, räumte Ebert unumwunden ein. „Dennoch ist es uns gelungen, die gesetzlichen Vorgaben zur Besetzung der Rettungsmittel lückenlos zu erfüllen“, so der Betriebsleiter. Zur Sicherstellung des Rettungsdienstes im Kreisgebiet besteht ein Gesamtbedarf von 166,48 Stellen, davon 77,47 Stellen für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter.

Im Sommer führten mehrere Langzeiterkrankungen in der Urlaubszeit zeitweise zu einer angespannten Personalsituation. Um den Dienstbetrieb nahtlos aufrechtzuerhalten, wurden zwei Rettungswagen (RTW) an den Standorten Seesen (tagsüber) und Goslar (nachts) vorübergehend als Notfallkrankenwagen (NKTW) betrieben. Parallel wurde ein zusätzliches, rund um die Uhr besetztes Akut-Einsatz-Fahrzeug (AEF) im Rahmen eines Pilotprojekts eingesetzt, mit diesem Fahrzeug kann ein NKTW zum RTW ergänzt werden.

Seit dem 1. September 2026 hat sich die Situation entspannt: Nach erfolgreichem Prüfungsabschluss am Notfallmedizinischen Ausbildungszentrum wurden neue Notfallsanitäter übernommen. Damit liegt der Personalstand wieder über dem Soll-Bedarf, alle Fahrzeuge sind wieder vollumfänglich als RTW im Dienst. Das AEF wird weiterhin zusätzlich eingesetzt.

Thomas Ebert räumte in diesem Zusammenhang mit falschen Darstellungen auf: „Die Behauptung, wir könnten die gesetzlichen Besetzungsvorgaben nicht einhalten, ist schlichtweg falsch. Es fallen keine Rettungsmittel aus. Alle Fahrzeuge sind zu jeder Zeit entsprechend den strengen Vorgaben des Niedersächsischen Rettungsdienstgesetzes besetzt. Weil wir den Fachkräftemangel frühzeitig erkannt haben, setzen wir massiv auf die eigene Ausbildung. Wir qualifizieren jährlich 20 bis 25 Rettungssanitäter und bilden zehn Notfallsanitäter und -sanitäterinnen aus. Zum September dieses Jahres haben wir die Zahl der Ausbildungsplätze für Notfallsanitäter von 10 auf 15 erhöht. Ab dem 1. November bieten wir zudem erstmals fünf Kolleginnen und Kollegen eine voll finanzierte, berufsbegleitende Weiterbildung zum Notfallsanitäter an. Wir investieren aktiv in unseren Nachwuchs und damit in die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger.“

Entgegen den anonymen Behauptungen über einen angeblich „überalterten Fuhrpark“ und fehlende Reservekapazitäten verfügt der Rettungsdienst über eine sehr gut ausgestattete Fahrzeugflotte. Alle im Dienst befindlichen Fahrzeuge entsprechen den aktuellen DIN-Normen und werden regelmäßig durch die Hersteller gewartet. Das Durchschnittsalter der Rettungswagen im Regeldienst liegt bei rund fünf Jahren, Krankentransportwagen (KTW) sind im Schnitt zwei Jahre und Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) rund drei Jahre alt.

Besonders hervorzuheben ist das Reservekonzept: Als einziger Rettungsdienstträger in Niedersachsen hält der Landkreis Goslar von fünf Reserve-RTW drei als fabrikneu beschaffte und voll ausgestattete Reservefahrzeuge vor, um Werkstattaufenthalte oder Ausfälle abzufangen. Hinzu kommen drei Reserve-KTW und zwei Reserve-NEF – deutlich mehr, als von den Krankenkassen für die Aufrechterhaltung des Rettungsdienstes als Kostenfaktor akzeptiert werden. Der Fachkräftemangel in Kfz-Werkstätten sowie globale Lieferengpässe bei Ersatzteilen führen zwar zu längeren Standzeiten und vereinzelt zu Verzögerungen bei Serviceintervallen oder dazu, dass an einem Reservefahrzeug im Sommer noch Winterreifen montiert waren. Gespräche mit Firmen zur Optimierung von Werkstattaufenthalten sind bereits geführt. Diese logistischen Engpässe beeinträchtigten jedoch zu keinem Zeitpunkt die Einsatzbereitschaft.

Auch die Vorwürfe einer verschleppten Digitalisierung halten einer Überprüfung nicht stand. Der Rettungsdienst im Landkreis Goslar nutzt seit Jahren das „E-Pen“-System, bei dem handschriftliche Einsatzprotokolle digital erfasst und automatisch ausgewertet werden – ein Fortschritt gegenüber rein papierbasierten Systemen. Derzeit läuft der Übergang zur vollständig digitalen Erfassung: 30 iPads wurden bereits angeschafft, das App-basierte Nachfolgesystem befindet sich in der finalen Abstimmung mit dem Softwarehersteller. Fahrzeugortung, georeferenzierte Alarmierung und Navigation sind Standard. Die Ausschreibung für ein neues, hochmodernes Einsatzsteuerungssystem startet nach Abschluss der Marktanalyse im vierten Quartal 2026.

Im Bereich der Schutzkleidung wurde ebenfalls nachgebessert: Die seit 2009 genutzte Dienstkleidung ist zwar normgerecht und sicher, entspricht aber nicht mehr dem modernsten Tragekomfort. Nach Klärung der Finanzierung mit den Krankenkassen wurde 2025 eine neue Premium-Schutzkleidung ausgeschrieben. Die Beschäftigten wurden aktiv in den Auswahlprozess einbezogen, nach einer umfassenden Anprobe im Juli 2026 wurde bestellt. Die Ausgabe eines ersten kompletten Bekleidungssatzes inklusive hochwertiger Einsatztaschen erfolgt noch im laufenden Jahr 2026, weitere Ausrüstungsgegenstände wie moderne Helme sind im Wirtschaftsplan für 2027 fest verankert.

Der Rettungsdienst des Landkreises Goslar präsentiert sich als moderner, krisenfester und zertifizierter Dienstleister, der auch von externen Stellen regelmäßig Bestnoten erhält. So verwies Ebert auf das jährliche ISO-Überwachungsaudit im August 2026, das ebenso erfolgreich verlief wie eine unangekündigte Überprüfung des Arbeitsschutzes durch das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt am 1. September 2026.

Landkreis und Kreiswirtschaftsbetriebe versicherten abschließend, dass sie den Weg der maximalen Transparenz konsequent fortsetzen werden. Die Ergebnisse der internen Aufarbeitung werden weiterhin offen in den politischen Gremien des Landkreises präsentiert und diskutiert. Die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Goslar können sich darauf verlassen, im Notfall schnell, professionell und nach modernsten medizinischen Standards versorgt zu werden.