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Datum: 29. Oktober 2026

10. Auflage der Gesundheitskonferenz des Landkreises Goslar thematisiert "Hitzeschutz für alle"

Klimaforscher Professor Dr. Mojib Latif macht Mut zum Handeln: „Physik ist unbestechlich – aber wir können etwas tun“

Die Folgen des Klimawandels sind längst auch in unserem Alltag spürbar: Langanhaltende Trockenheit, Pegeltiefststände in den Harzer Talsperren, neue Temperaturrekorde und Extremwetter fordern uns Menschen und die Umwelt gleichermaßen heraus. Rund 100 Fachleute und Interessierte kamen daher heute zur bereits 10. Gesundheitskonferenz des Landkreises Goslar im Kreishaus zusammen. Unter dem Titel „Hitzeschutz für alle“ wurden wirksame Strategien zur Anpassung an sommerliche Extremtemperaturen diskutiert. Als renommierter Impulsgeber stand mit Professor Dr. Mojib Latif einer der bekanntesten deutschen Klimaexperten hinter dem Rednerpult.

Eröffnet wurde die Konferenz von Landrat Dr. Alexander Saipa, der betonte, dass der ländliche Raum von den klimatischen Veränderungen keineswegs verschont bleibe. „Hitzeschutz ist keine reine Komfortfrage mehr, sondern ein zentraler Bestandteil der kommunalen Gesundheitsvorsorge und der Anpassung an den Klimawandel“, stellte Saipa klar. Es gelte, vorausschauend zu handeln und insbesondere vulnerable Gruppen in den Blick zu nehmen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der rund 45-minütige Vortrag von Professor Dr. Mojib Latif. Der renommierte Wissenschaftler stellte unmissverständlich klar, dass die Erderwärmung eine physikalische Realität sei: „Mit der Physik kann man nicht verhandeln und keine Kompromisse schließen – Physik ist unbestechlich.“ Deutschland und Europa seien von den steigenden Temperaturen überdurchschnittlich stark betroffen.

Die Faktenlage rund um den Klimawandel fasste Latif in seinem Vortrag mit fünf prägnanten Kernsätzen zusammen: „Er ist real. Wir sind die Ursache. Er ist gefährlich. Die Fachleute sind sich einig. Wir können etwas tun.“

Dass Hitze eine reale Gefahr für die Gesundheit darstelle, hätten die vergangenen Sommer mit Tausenden Hitzetoten drastisch vor Augen geführt, hinzukommen verheerende Waldbrände, deren Ausmaß viele bislang nur aus dem Fernseher kannten.

Da sich Treibhausgase binnen weniger Wochen über den gesamten Globus verteilen, müsse der Klimaschutz zwar international gelöst werden – doch die Vorbereitung auf die unvermeidbaren Folgen müsse unmittelbar vor Ort geschehen.

Statt in Resignation zu verharren, plädierte Latif für entschlossenes Handeln: „Das alles ist kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Wir müssen die Dinge anpacken, die wir hier vor Ort beeinflussen können – ganz nach dem vom ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama geprägten Mottos: ‚Yes we can‘.“

Ein zentraler Appell Latifs galt den besonders gefährdeten Menschen: „Wir müssen Krankenhäuser, Seniorenheime, Schulen und Kindertagesstätten zügig und konsequent für extreme Hitze rüsten. Geld darf dabei keine Rolle spielen – es ist kein knappes Gut, es ist in großer Menge vorhanden, oft nur falsch verteilt.“

Zudem zeigte Latif konkrete Wege für hitzeresiliente Städte auf, bei denen unter anderem die gezielte Entsiegelung und Begrünung von Flächen eine entscheidende Rolle für Abkühlung und Lebensqualität spiele.

Dr. Tobias Steffen, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes beim Landkreis Goslar, zeigte im weiteren Verlauf der Konferenz auf, welche Rolle die Tele- und Telenotfallmedizin spielen kann, um bei hitzebedingten Notlagen schnelle und zielgerichtete medizinische Hilfe zu gewährleisten.

Sebastian Dohm, Referent am Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA, Sachgebiet Innenraumklima), sprang – digital zugeschaltet - kurzfristig als Referent ein und erläuterte Maßnahmen für den technischen Hitzeschutz in Betrieben.

Er hob hervor, dass baulich-technische Lösungen – wie Beschattung, Entsiegelung, Fassadenbegrünung und zeitgemäße Dämmung – stets Vorrang vor rein organisatorischen und personellen Maßnahmen haben sollten. „Dämmung und Materialauswahl“, so Dohm, „muss dabei heute neu gedacht werden: nicht mehr allein als Kälteschutz im Winter, sondern vor allem als Schutzschild gegen das Eindringen von Sommerhitze.“

Durch das Programm führte als Moderatorin Gabriela Schacht, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit, Veterinärwesen und Verbraucherschutz beim Landkreis Goslar, die mit ihrem Team auch für die Organisation der Konferenz verantwortlich zeichnete.