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Werk Tanne

 
Werk Tanne, Pufferbecken und Gebäudereste
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Geschichtlicher Abriss der ehemaligen Sprengstofffabrik Werk Tanne

Die ehemalige Sprengstofffabrik Werk Tanne liegt am südöstlichen Stadtrand von Clausthal- Zellerfeld. Der Standort umfasst eine Fläche von insgesamt 117 ha. Das Werk wurde im Wesentlichen in der Zeit von 1935 bis 1938 durch die Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie GmbH, kurz Montan errichtet. Nach Fertigstellung wurde der Betrieb an die Gesellschaft zur Verwertung chemischer Erzeugnisse (Verwertchemie), eine Tochter der DAG verpachtet.

Bis 1945 wurden über 100.000 t des Sprengstoffes Trinitrotoluol (TNT) produziert. Damit zählte das Werk Tanne zu den 5 großen Sprengstofffabriken im ehemaligen Deutschen Reich. Ein Teil der Produktion wurde vor Ort in Bomben, Granaten und Minen abgefüllt.

Chronologie des Standortes

  • 1935 bis 1940 Ankauf des Geländes von der Preußischen Staatsforstverwaltung durch die Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie GmbH, kurz Montan
  • 1935 bis 1938 Bau des Werkes durch die Montan
  • 1939 Beginn der Produktion
  •  April 1945 Besetzung durch die US-Armee, im Mai Übernahme durch die Briten
  • 1947 bis 1949 Demontage und Demilitarisierung der Anlagen
  • 1950 Rückgabe an die Montan
  • 1953 Übertragung des Werksgeländes an die Industrieverwaltungsgesellschaft mbH (IVG)
  •  Aktuell ist die IVG Eigentümer des Grundstückes

Für die Produktion des TNT wurde Toluol in 3 Stufen mit Hilfe von Mischsäuren vom Mononitrotoluol und Dinitrotoluol bis zum Trinitrotoluol aufnitriert. Die anfallenden Zwischenprodukte wurden gewaschen, um unerwünschte Nebenprodukte zu entfernen und die dabei entstandenen Abfallsäuren wurden zurückgewonnen. Bei der Denitrierung und beim Aufkonzentrieren verbrauchter Säuren fielen sogenannte „gelbe Abwässer“ an. Bei der TNT-Wäsche dagegen „rote Abwässer“. Insgesamt wurden bei der Herstellung von 1 t TNT über 100 m³ Prozesswässer verbraucht. Darüber hinaus fielen bei der Neutralisation der Abwässer große Mengen an Neutralisationsschlämmen an.

Beim Betrieb der Anlage kam es mehrfach zu Unglücken. So wurden zwischen Oktober 1941und Dezember 1942 insgesamt 9 Explosionen in der Presserei dokumentiert. Das größte Unglück mit 61 Toten ereignete sich Anfang Juni 1940 mit der Explosion des Gebäudes 307 in der Trinitrierung. Neben der Zerstörung von Gebäuden, ober- und unterirdischer Leitungen im zentralen Bereich kam es nachfolgend zu diffusen Austritten von Abwässern aus der beschädigten Kanalisation, was zu einer Versauerung der beiden angrenzenden Teiche, dem Mittleren und Unteren Pfauenteich führte.

Ein Luftangriff im Oktober 1944 legte die Sprengstoffproduktion weitgehend lahm. Im Wesentlichen wurde TNT nur noch mit Hilfe der Tonsilerde-Anlage gewonnen. Mit der Anlage konnten TNT-Abfälle zurückgewonnen werden.

Ein großes Problem stellte während der Betriebsphase die Entsorgung der großen Mengen an Abwässern dar. Anfängliche Versuche, das Abwasser über Schluckbrunnen auf dem Werksgelände bzw. in der näheren Umgebung zu verpressen, schlugen aufgrund des dichten Untergrundes fehl. Daher wurde eine knapp 10 km lange Abwasserleitung bis nach Osterode gebaut. Das Einleiten in die Vorflut am Harzsüdrand führte zur Rotfärbung des Oberflächenwassers bis in die Leine hinein und zu Beschwerden der Wasserwerke Northeim und Hannover. 1941 kam es zu Fischsterben in Söse und Rhume. Ab Anfang 1942 wurde dann ein Großteil der Abwässer in 3 errichtete Schluckbrunnen bei Petershütte (OT Osterode) verpresst. Aufzeichnungen über die verpresste Menge sind nicht bekannt. Es wird angenommen, dass bis 1945 etwa rund 540.000 m³ versenkt worden sind. Darüber hinaus gelangten Abwässer auch ortsnah in die Pfauenteiche. Dies wird durch Korrosionen der Turbinenanlage der Preussag während der Betriebsphase dokumentiert, die das Wasser aus den Pfauenteichen zur Energiegewinnung nutzte.

Neutralisationsschlämme

Die Kalkschlämme, die bei der Neutralisation der sauren Abwässer anfielen, weisen hohe Kontaminationen von TNT, den Zwischenprodukten und Isomeren auf. Ein Teil der Schlämme wurde im Bereich des ehemaligen Illingsteichs und des Ostbahnhofs (beides in Clausthal) abgelagert. Bei Untersuchungen an den Pfauenteichen wurden Schwämmfächer aus Neutralisationsschlämmen kartiert. Das hier abgelagerte Volumen wurde für den Unteren Pfauenteich inklusive Dreiecksbecken auf ca. 11.300 m³, für den Mittleren Pfauenteich auf 4.400 m³ berechnet.

Räumungen von Kampfmitteln

Im Zeitraum von 1977 bis 1980 wurden im Zuge von Räummaßnahmen u. a. ca. 270 t Nitroderivate durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) und Fa. Tauber entsorgt. Bei weiteren Räumungen 1988 wurden durch den KBD ca. 9 t TNT aus dem Kanalsystem entfernt.

Durch das Explosionsereignis im Juni 1940 ist von einer diffusen Kontamination von Sprengstofftypischen Verbindungen (STV) auszugehen. Im Boden nachgewiesen wurden TNT, sowie die Vor- und Abbauprodukte. Schwerpunkte bilden dabei die Flächen in den Bereichen der Di- und Trinitrierung, der Füllstellen, des Brandplatzes und der Bereich der Tonsilerde-Anlage. In den Schwemmfächern des Unteren und Mittleren Pfauenteichs sowie im Dreiecksbecken, die alle dem Land Niedersachsen gehören, wurden STV, MKW und PAK nachgewiesen. Darüber hinaus wurden in Bachläufen und dem Fortuner Wasserlauf auf dem Werksgelände sowie in der verbliebenen Kanalisation STV festgestellt. 

Belastungen auf dem Standort

Durch das Explosionsereignis im Juni 1940 ist von einer diffusen Kontamination von Sprengstofftypischen Verbindungen (STV) auszugehen. Im Boden nachgewiesen wurden TNT, sowie die Vor- und Abbauprodukte. Schwerpunkte bilden dabei die Flächen in den Bereichen der Di- und Trinitrierung, der Füllstellen, des Brandplatzes und im Bereich der Tonsilerde-Anlage. In den Schwemmfächern des Unteren und Mittleren Pfauenteichs sowie im Dreiecksbecken, die alle dem Land Niedersachsen gehören, wurden STV, MKW und PAK nachgewiesen. Darüber hinaus wurden in Bachläufen und dem Fortuner Wasserlauf auf dem Werksgelände sowie in der verbliebenen Kanalisation STV festgestellt.

 Durchgeführte Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen

Erste Sicherungsmaßnahmen sind in der Beseitigung von Sprengstoffresten in den 70er und 80er Jahren zu sehen. 1995 wurde durch die IVG im Bereich der Neutralisationsbecken am Mittleren Pfauenteich ein Speicherbecken mit einem Fassungsvermögen von 500 m³,  gekoppelt mit einer Sickerwasserreinigungsanlage (Aktivkohlereinigung) errichtet. Damit werden Oberflächenwässer und Drainagewässer aus dem mittleren, hochkontaminierten Bereich des Werksgeländes gefasst und gereinigt. Da sich das Becken als völlig unterdimensioniert erwies, wurde 2011 ein 15.000 m³ fassendes Pufferbecken errichtet. Im Jahr 2007 wurde eine mit STV-kontaminiertem Bauschutt und Abfällen verfüllte Baugrube saniert. An der Basis wurden Fundamente und die Aufständerung für ein auf dem Werksplan nicht verzeichnetes Tanklager entdeckt.

Das Land Niedersachsen hat in den Jahren 2011 und 2012 die Schwämmfächer aus dem Unteren und Mittleren Pfauenteich sowie dem Dreiecksbecken entfernt.

Übersichtskarte

Der beiliegende Plan zeigt den Gebäudebestand und die Infrastruktur des Standortes. Farblich sind die wichtigsten Funktionseinheiten herausgestellt:

Im Westen des Werkes liegen die Toluollager (violett). Östlich davon schließen sich, in rot gehalten, nacheinander die durch Schutzwälle gesicherten Gebäude der Mono-, Di- und die Trinitrierung an. Die in grün gehaltenen Gebäude dienten der Säurelagerung, -mischung und -aufkonzentration. Am nordöstlichen Randbereich des Mittleren Pfauenteiches befinden sich, in rot gehalten, 2 Neutralisationsbecken. Im östlichen Bereich des Werksgeländes sind 2 Füllanlagen (gelb) angesiedelt. In der nordöstlichen Ecke des Standortes befinden sich, farblich nicht hervorgehoben, der Brandplatz sowie eine Munitionstestanlage. Südlich anschließend, in blau gehalten, liegen die Munitionsbunker und Lagerbereiche für Endprodukte.

Historischer Lageplan des Werksgeländes mit Funktionseinheiten

Berichterstattung

Der aktuelle Sachstand zur Altlastenbearbeitung wurde am 19.10.2018 vorgestellt.

Präsentation vom 19.10.18