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27.04.2018
Eine starke Allianz für den Kinderschutz


Landkreis und Schulen unterzeichnen wegweisende Kooperationsvereinbarung / Handlungssicherheit beim Umgang mit Kindeswohlgefährdungen

Es ist ein Beispiel, das landesweit Schule machen könnte: Der Landkreis Goslar und alle Schulen im Kreisgebiet unterzeichneten heute eine Kooperationsvereinbarung für den Kinderschutz. Es ist eine von erst wenigen, die es bisher in Niedersachsen gibt.

Mit der Vereinbarung wollen die Kooperationspartner ihre Anstrengungen im Kinder- und Jugendschutz, vor allem im Hinblick auf den Umgang mit Kindeswohlgefährdungen, noch weiter verstärken. Bis dato fehlte es den Grundschulen und weiterführenden Lehranstalten im Kreisgebiet an einem einheitlichen Handlungsleitfaden, der eindeutig regelt, wie im Falle von Gefährdungen des Kindeswohles verfahren werden sollte.

Zwar sind Lehrerinnen und Lehrer ohne Frage in der Lage Auffälligkeiten im Verhalten ihrer Schülerinnen und Schüler zu erkennen und auch richtig zu deuten, bei den dann folgenden Verfahrenswegen herrschten jedoch bislang Unsicherheiten.

Versuche, diese Schwierigkeiten zu beheben und tragfähige Lösungen zu erarbeiten, gab es bereits seit dem Jahr 2005. Diese scheiterten jedoch an der nicht berücksichtigten Beteiligung von Schulen und der Niedersächsischen Landesschulbehörde. Der Gesprächs- respektive Handlungsfaden wurde schließlich im Jahr 2016 mit der Veranstaltung „Abklärung Kindeswohl“ wieder aufgenommen. Dieser Auftakt mündete in der Bildung einer Arbeitsgruppe, die sich fortan mit der Entwicklung eines belastbaren Konzeptes beschäftigte.

Das Ergebnis, das heute im Rahmen einer Fachveranstaltung im Kreishaus vorgestellt wurde, kann sich sehen lassen. Die Vereinbarung ermöglicht eine passgenaue Steuerung des Einzelfalls, schafft verbindliche Rahmenbedingungen - was die Zusammenarbeit zwischen den Schulen und dem Allgemeinen Sozialdienst (ASD) des Landkreises betrifft - bündelt die vorhandenen Fachkompetenzen, verbessert die Kooperation und Beteiligung der betroffenen Menschen und regelt die Inanspruchnahme einer kostenfreien sowie zeitnahen Beratung durch eine für den Kinderschutz speziell geschulten Fachkraft („Insofa“; meint insoweit erfahrene Fachkraft).

Im Klartext heißt das: Beobachten Lehrerinnen und Lehrer bei einem(r) Schüler(in) Auffälligkeiten, die auf eine Kindeswohlgefährdung hindeuten könnten, sieht die nun geschlossene Kooperationsvereinbarung zunächst das Gespräch mit dem betroffenen Kind/Jugendlichen vor. Im Anschluss daran sollte der Austausch mit den Eltern gesucht werden. Lassen sich die Befürchtungen auch dann nicht ausräumen oder werden sogar noch verstärkt, sieht das Bundeskinderschutzgesetz vor der Einschaltung des Jugendamtes die Konsultation der so genannten „Insofa“ vor.

Bestandteil der Kooperationsvereinbarung ist auch ein übersichtliches Handout, das die Schulen erhalten und bei Unsicherheiten als eine Art Checkliste verfügbar haben.

Die Niedersächsische Landesschulbehörde begrüßt das Engagement von Schulen und Kreisverwaltung, da die nun gefasste Kooperationsvereinbarung nebst der dazu gehörigen Handreichung sehr geeignet sind, den Schulen mehr Sicherheit im Umgang und bei der Beurteilung einer möglichen Kindeswohlgefährdung zu geben.

Goslars Erste Kreisrätin Regine Körner betonte im Rahmen der heutigen Fachveranstaltung, dass die Kooperationsvereinbarung einen präventiven Charakter erfüllen soll. „Unser erklärtes Ziel ist es nicht, dass sich die Zahl der gemeldeten Kindeswohlgefährdungen erhöht. Unser Bestreben liegt vielmehr darin begründet, für Kindeswohlgefährdungen zu sensibilisieren, gleichzeitig aber auch Handlungsweisen zu vermitteln, die eben nicht unmittelbar in einer Meldung beim Jugendamt münden, denn im Vorfeld gibt es bereits zahlreiche, verfügbare und sinnvolle Optionen“, so Erste Kreisrätin Regine Körner.

Die bisherige Arbeitsgruppe wird im Übrigen fortan als Steuerungsgruppe agieren und einen steten Austausch zwischen Verwaltung und Schulen sicherstellen.