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24.11.2022
Neues Konzept soll Schulen bei der Inklusion unterstützen


Jugendhilfeausschuss votiert einstimmig für Einführung des

"mehrdimensionalen Klassenmanagements"

Eine gute Dreiviertelstunde dauerte die jüngste Sitzung des Jugendhilfeausschusses, der am Montag unter dem Vorsitz von Patrick Kriener im großen Saal des Kreishauses zusammenkam.

Frank Dreßler, Leiter des Fachbereiches Jugend, Soziales und Familie, blickte zu Beginn der Sitzung in seinem Bericht zu den Eckdaten für den Haushaltsplan 2023 angesichts der zahlreichen Krisenereignisse auf eine schwierige Gemengelage: "In der aktuellen Situation, in der uns nicht nur die Ankunft hunderter Geflüchteter und die allgegenwärtige Energiekrise beschäftigen, ist eine verlässliche Haushalts-Prognose sehr schwierig. In vielen Bereichen, so untern anderem beim Wohngeld, müssen wir schon allein aufgrund bevorstehender Gesetzesänderungen mit deutlichen Mehrausgaben rechnen." Und auch in anderen Bereichen des Sozialhaushaltes sind höhere Kosten bereits abzusehen. So steigen laut Dreßler beispielsweise die Kosten für die "Hilfe zur Pflege", die bei der Unterbringung in Alten- und Pflegeheimen greift, sprunghaft an.

Im weiteren Sitzungsverlauf befassten sich die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses mit einer neuen Unterstützungsform für Grundschulklassen sowie der Klassenstufen fünf und sechs in den weiterführenden Regelschulen.

Unter der zugegeben etwas sperrigen Bezeichnung "Mehrdimensionales Klassenmanagement", verbirgt sich ein Konzept, das im Landkreis Goslar in den zurückliegenden vier Jahren (2018 bis 2022) erprobt wurde und die Schulen dabei unterstützen soll, die Herausforderungen, die eine "inklusive Beschulung" an sie stellt, zu meistern. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bedürfnisse der Kinder, die allesamt einen bestmöglichen Zugang zur Bildung erhalten sollen.

Zum Hintergrund: in Niedersachsen wurde die "inklusive Schule" zum Schuljahresbeginn 2013/14 verbindlich eingeführt. Sie soll allen Schülerinnen und Schülern einen barrierefreien und gleichberechtigten Zugang zu den niedersächsischen Schulen ermöglichen.

Grundsätzliches Ziel der Inklusion ist die aktive Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben. Das Recht auf Bildung schließt das ausdrücklich ein.

Anders als in Förderschulen werden die Lehrerinnen und Lehrer in der Regelschule jedoch nur bedingt durch Assistenzkräfte unterstützt, heißt es in dem knapp 20-seitigen Konzept zum mehrdimensionalen Klassenmanagement. Den Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf stehen zurzeit meist so genannte Schulbegleiter zur Seite, die aber keine schulischen Inhalte vermitteln, sondern begleitende Unterstützung beispielsweise im pflegerischen und alltäglichen Bereich leisten. Eine gelungene Inklusion erfordert also eine erhebliche Anpassung der Didaktik und Methodik und stellt auch in erzieherischer Hinsicht hohe Anforderungen an die Lehrkräfte.

Das mehrdimensionale Klassenmanagement soll genau an dieser Ausgangslage ansetzen und den Schulen mit ganzheitlichem Blick dabei helfen, Problemlagen zu erkennen und zielorientierte Lösungen zu entwickeln.

Was bedeutet das in der Praxis?

Angenommen eine Lehrkraft stellt fest, dass die Ausschöpfung des vorhandenen schulischen Instrumentariums bislang nicht dazu geführt hat, den Bedürfnissen aller Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu entsprechen und eine entspannte und konstruktive Lernatmosphäre zu schaffen. Hier kann das mehrdimensionale Klassenmanagement dahingehend eingesetzt werden, dass geschulte Dritte (beispielsweise Träger der freien Jugendhilfe) die Situation in der Klasse beobachten und unter Einbeziehung aller Beteiligten (Lehrkräfte, Schüler und Erziehungsberechtigte) Maßnahmen entwickeln, die zu einer Verbesserung der Situation und Lernatmosphäre beitragen können.

Zu diesen Maßnahmen, die zunächst so niederschwellig wie möglich ansetzen sollen, kann es im Verlauf jedoch auch gehören, dass weiterer, systemübergreifender Hilfebedarf durch andere Institutionen (beispielsweise "Hilfen zur Erziehung") festgestellt wird.

Grundsätzlich ist das mehrdimensionale Klassenmanagement als "Hilfe zur Selbsthilfe" angelegt. Soll heißen, dass die von außen eingesetzten "Klassenmanager" nie belehrend oder mit dem "erhobenen Zeigefinger" agieren, sondern in Kooperation aller betroffenen Akteure Lösungsansätze entwickelt werden. Elke Ballhausen vom Schulspezialdienst des Landkreises erläutert, dass beim Klassenmanagement ein "systemischer Arbeitsansatz" verfolgt wird.

Der Jugendhilfeausschuss hat sich am Montag dafür ausgesprochen, dass das mehrdimensionale Klassenmanagement nach der erfolgreichen Pilotierung, in der es an insgesamt 17  Schulen zum Einsatz kam, langfristig eingeführt wird. Zu diesem Zweck wurde der Landrat beauftragt, nach einem Ausschreibungsverfahren, mit den Trägern der freien Jugendhilfe im Kreisgebiet eine entsprechende Vereinbarung zur Zusammenarbeit zu schließen. Die endgültige Entscheidung obliegt wie immer dem Kreistag, der am 12. Dezember zu seiner nächsten Sitzung zusammentritt.