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29.04.2021
Sieben-Tage-Inzidenz: Tägliches Verwirrspiel um die richtige Zahl


Fragt man Goslars Landrat Thomas Brych, welche Fragen er in den vergangenen Monaten wohl am häufigsten gestellt bekommen hat, wird es mit Sicherheit um Corona im Generellen oder die Gründe für die zum Teil großen Unterschiede bei der wahlweise vom Land Niedersachsen, vom Robert-Koch-Institut (RKI) oder der vom Landkreis veröffentlichen Inzidenz-Zahl gegangen sein. Auch heute sorgt die Differenz zwischen den gemeldeten Zahlen erneut für Verwirrung und führt dazu, dass am Bürgertelefon des Landkreises die Drähte heiß laufen.

Landrat Thomas Brych kann den Unmut in der Bevölkerung gut nachvollziehen, denn auch er ist die ewige Debatte über den divergierenden Inzidenzwert inzwischen leid. „Noch immer haben wir leider keine erschöpfende Auskunft erhalten, warum entweder das Niedersächsische Landesgesundheitsamt oder eben das RKI anderslautende Inzidenzwerte veröffentlichen als wir. Die von unserem Gesundheitsamt berechnete Inzidenz ist die richtige. Und eigentlich dürften auch das Land und das RKI keine grundlegend anderen Werte ermitteln, da sie die Zahlen zum Infektionsgeschehen von uns erhalten. Ein möglicher zeitlicher Verzug bei der Meldung dürfte kleinere Ungenauigkeiten erklären, darf aber nicht als Erklärung für Differenzen im Zehnerbereich herangezogen werden“, so Landrat Thomas Brych.

Der Chef der Goslarer Kreisverwaltung räumt ein, dass die Entscheidung, fortan beide Inzidenzwerte, also den eigens vom Landkreis berechneten und den des RKI, auf dem Corona-Dashboard seiner Behörde zu veröffentlichen, nicht ausschließlich zu mehr Übersichtlichkeit führt. Brych ist es aber wichtig, dass neben dem Wert des RKI, der je nach Höhe rechtliche Wirkung entfaltet, auch die Inzidenz seines Gesundheitsamtes auftaucht, da diese das Infektionsgeschehen vor Ort tagesgenau wiedergibt.

Das RKI selbst erklärt auf seiner Internetseite, dass es immer wieder zu Abweichungen kommen kann. Die Bundesbehörde schreibt dazu im Wortlaut: „Die Behörden im Land- oder Stadtkreis verfügen immer über die aktuellsten Zahlen. Diese sind mit ausschlaggebend für die Bewertung der Situation vor Ort. Diskrepanzen zwischen den berichteten Inzidenzen der Landkreise und den Daten des Dashboards können verschiedene Ursachen haben. Beispielsweise können sie durch den Übermittlungsverzug bedingt sein (z. B. wenn das Gesundheitsamt bereits Fälle an die zuständige Landesbehörde übermittelt hat, diese aber noch nicht vom Land an das RKI übermittelt worden sind. In anderen Fällen kann das auch an einem anderen Datenstand liegen (das RKI verwendet den Datenstand jeweils 0 Uhr, möglicherweise nutzen die Landebehörden/Gesundheitsämter einen anderen zeitlichen Rahmen.“

Vor diesem Hintergrund, dieses Fazit zieht Landrat Brych, wird es vermutlich nicht gelingen, den Inzidenzwert zu vereinheitlichen. Entscheidend ist jedoch, dass nach neuester Gesetzgebung nur der vom RKI gemeldete Wert rechtliche Folgen auslöst. Die so genannte Bundesnotbremse ist an die Daten des RKI gekoppelt. „Für das Auslösen der Notbremse“, so Landrat Brych, „ist es daher vollkommen egal, ob wir eine Inzidenz von 100 berechnen. Erst, wenn das RKI an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine Inzidenz von über 100 ausweist, müssen wir die Corona-Regeln entsprechend des Infektionsschutzgesetzes verschärfen. Diese Vorgehensweise haben wir uns im Übrigen nicht ausgedacht, müssen aber genau wie alle Bürgerinnen und Bürger mit dieser unbefriedigenden Situation umgehen.“