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08.03.2019
Erste Weichenstellung für das umweltmedizinische Gutachten Oker/Harlingerode


Projektbeirat befasst sich in erster Sitzung mit Machbarkeitsstudie / Bodenuntersuchungen in Oker und Harlingerode

Mehrheitlich hat der Kreistag des Landkreises Goslar im Dezember 2018 beschlossen, dass mit einem „umweltmedizinischen Gutachten“ ermittelt werden soll, ob von den Geruchsbelästigungen und den gesamten Umweltbelastungen im Raum Oker/Harlingerode gesundheitliche Probleme für die Bevölkerung ausgehen könnten.

Hintergrund sind die seit Jahren wiederkehrenden Beschwerden von Anwohnern, die über unangenehme Gerüche klagen, ob der ungewissen Herkunft stark verunsichert sind und sich ohnehin über bestehende und möglicherweise anwachsende Umweltbelastungen sorgen, die letztlich Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben könnten.

Zusätzliche Brisanz erfuhr die Situation als jüngst bekannt wurde, dass bei einem ortsansässigen Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie grenzwertüberschreitende Dioxinwerte gemessen wurden, diese Information aber lange nicht den Weg in die Öffentlichkeit fand. Seither steht nicht nur das Unternehmen in der Kritik, sondern auch das öffentliche Vertrauen in die zuständige Aufsichtsbehörde hat gelitten.

Bereits im Januar hat die für diesen Zweck gebildete Projektgruppe* ihre Arbeit aufgenommen, um sich fortan um die Umsetzung des von der Politik geforderten Gutachtens zu kümmern. Unterstützt wird die Gruppe dabei von einem breit aufgestellten Projektbeirat* (*jeweilige Zusammensetzung siehe Hintergrundinformationen), dessen Aufgabe darin besteht, die Zielsetzung des Gutachtens zu bestimmen und Schwerpunkte festzulegen, die sich eignen, die unterschiedlichen Interessen abzubilden , um letztlich der öffentlichen Erwartungshaltung gerecht zu werden. Der Beirat kam am Mittwoch dieser Woche zu seiner ersten Sitzung zusammen und befasste sich zunächst mit der Planung einer Machbarkeitsstudie, die ermitteln soll, welche umweltmedizinischen Untersuchungen durchgeführt werden.

In dem geforderten Gutachten, so die klare Forderung der Politik, soll es darum gehen, ob in den betroffenen Gebieten eine Häufung bestimmter Krankheitsbilder (beispielsweise Atemwegsbeschwerden, Krebserkrankungen oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)) vorliegt, und ob diese möglicherweise mit Umweltbelastungen (u.a. belastete Luft) zusammenhängen.

Michael Hoopmann, Epidemiologe beim Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA), das Projektgruppe und –beirat mit fachlicher Expertise und der Umsetzung der Machbarkeitsstudie unterstützt, wies in seinem Impulsvortrag darauf hin, dass man vor dem Einstieg in die gutachterliche Arbeit schon sehr genau geklärt haben sollte, welche Parameter untersucht werden sollen. So gilt es unter anderem das Untersuchungsgebiet, den Untersuchungszeitraum, die Auswertungsstrategie als auch die Erhebungsformen im Vorfeld klar zu definieren. Die Machbarkeitsstudie dient also der klaren Eingrenzung und Definition der umweltmedizinischen Untersuchungen.

Landrat Thomas Brych unterstrich zu Beginn der ersten Beiratssitzung, dass die Bürgerinnen und Bürger in den betroffenen Orten Antworten erwarten und verloren gegangenes Vertrauen wiederhergestellt werden müsse: „Mir, und ich denke auch der Politik ist bewusst, dass ein umweltmedizinisches Gutachten nicht auf die Schnelle erstellt werden kann, das sehen wir schon an der notwendigen, vorgeschalteten Machbarkeitsstudie, die ebenfalls Zeit in Anspruch nimmt. Deshalb ist es aber umso wichtiger, dass wir die Bürgerinnen und Bürger auf diesem Weg mitnehmen und von Anfang an für größtmögliche Transparenz sorgen. Nur so kann es uns gelingen, der Verunsicherung der Bevölkerung zu begegnen und das klare Signal auszusenden, dass wir die geäußerten Sorgen sehr ernst nehmen“.

Landrat Brych wies in diesem Zusammenhang auch auf die geplanten Bodenuntersuchungen hin, die noch in dieser Woche beginnen, und im Vorgriff auf das umweltmedizinische Gutachten Erkenntnisse zur aktuellen Belastungssituation vor allem im Hinblick auf mögliche Dioxinwerte liefern sollen.

Dr. Walter Schmotz von der unteren Bodenschutzbehörde des Landkreises und organisatorischer Leiter von Projektgruppe und –beirat erläuterte, dass zwölf Standorte beprobt werden, begonnen wird auf dem Gelände des Kindergartens Harlingerode.

Der Projektbeirat, der sich im Verlauf der rund dreistündigen Sitzung auf die Vorbereitung der Machbarkeitsstudie konzentrierte, begrüßte diesen Schritt. So merkten unter anderem die Beiratsmitglieder Dr. Wolfgang Bauer (Ökologischer Ärztebund), Joachim Niemeyer (PUR Harlingerode e.V.), Rüdiger Wohltmann (Arbeitskreis Oker) und Dr. Friedhart Knolle (BUND) übereinstimmend an, dass dies „eine positive Nachricht für die Bevölkerung ist“, denn sie zeigt, dass nun endlich konkret untersucht wird.

Ralf Abrahms, Bürgermeister der Stadt Bad Harzburg und ebenfalls Mitglied des Projektbeirates, unterstrich, dass es ihm besonders wichtig ist, „dass die bisher sehr emotional und mitunter auch reißerisch geführte Debatte versachlicht wird und nicht mit Ängsten oder überhasteten Forderungen, wie der Schließung von Betrieben, Stimmung gemacht wird“.

Auch Dr. Martin Hepp, Amtsarzt des Landkreises Goslar und fachlicher Leiter der Projektgruppe, betonte, dass das umweltmedizinische Gutachten Klarheit bringen könnte, wies aber zugleich daraufhin, dass gesundheitliche Probleme vielschichtig sind und deshalb sehr genau geschaut werden müsse, welche Ursachen den unterschiedlichen Krankheiten zugrunde liegen könnten. „Das ist eine komplexe Aufgabe“, so Dr. Martin Hepp.

Die nächsten Schritte sehen nun vor, dass die Projektgruppe die am Mittwoch erarbeiteten Vorschläge in ihrer nächsten Sitzung konkretisiert und dann – Ende dieses Monats – dem Beirat ein ausgearbeitetes Arbeitskonzept vorlegt, damit die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden kann. 

Hintergrundinformationen:

Die seit Januar 2019 regelmäßig tagende Projektgruppe setzt sich zusammen aus:

  • Dr. Martin Hepp (Landkreis Goslar, Leitung fachlich)
  • Achim Höfert (Landkreis Goslar)
  • Dr. Walter Schmotz (Landkreis Goslar, Leitung Organisation)
  • Finn Sonnemann (Landkreis Goslar, Geschäftsführung)
  • Andrea Haas (GAA Braunschweig)
  • Christopher Zierke (GAA Braunschweig)
  • Michael Hoopmann (Niedersächsisches Landesgesundheitsamt (NLGA))
  • Nathalie Costa-Pinheiro (NLGA)


Der Projektbeirat setzt sich aus folgenden Mitgliedern/Institutionen zusammen:

  • Arbeitskreis Oker – Rüdiger Wohltmann
  • PUR Harlingerode e.V. – Joachim Niemeyer
  • BUND – Dr. Friedhart Knolle
  • NABU – Wolfgang Moldehn
  • Ökologischer Ärztebund – Dr. Wolfgang Baur
  • Ärzteverein Goslar (Ärztekammer Nds.) – Jens Suckstorff
  • Stadt Goslar – Marion Siegmeier
  • Stadt Bad Harzburg – Bürgermeister Ralf Abrahms