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Naturraumentwicklung




Biotopverbund als ein Baustein der Naturraumentwicklung

Der Nutzungsdruck auf die Landschaft insbesondere durch den Straßen- und Siedlungsbau sowie durch die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft führt zu einem Verlust an wertvollen Lebensräumen. Diese verlieren nicht nur insgesamt an Fläche, sondern werden häufig auch in isolierte Einzelteile zerlegt, die aufgrund ihrer geringen Größe verstärkt störenden Einflüssen ausgesetzt sind. Die verbleibenden Lebensräume sind für viele Individuen zu klein. Die Isolation führt zusätzlich dazu, dass ein genetischer Austausch nicht oder nur sehr stark eingeschränkt möglich ist. Die für viele Arten überlebenswichtigen Wanderkorridore werden durch die Zersiedelung der Biotope unterbrochen.

Die regional vorhandenen Schutzgebiete allein können dieser Entwicklung nicht erfolgreich begegnen, u. a. weil eine Vernetzung der einzelnen Schutzgebiete fehlt. Um das Überleben eines wesentlichen Teils der heimischen Fauna und Flora zu ermöglichen, müssen deshalb auch außerhalb der Schutzgebiete geeignete Lebensbedingungen geschaffen werden.

Im Fokus stehen dabei die Migrations- (Wander-) ansprüche der heimischen Arten. Wesentliche Elemente zur Schaffung eines wirkungsvollen Biotopverbunds sind deshalb die Vernetzung von Lebensräumen sowie die Beseitigung oder Überbrückung von Barrieren, z. B. durch das Schaffen von Verbundelementen wie Gehölzstreifen und Wanderkorridoren. Ein Biotopverbundsystem kommt nicht nur den bekannten „Wanderern“ der Tierwelt wie z. B. Rothirsch, Wildkatze und Fischotter zugute, sondern auch anderen Wert gebenden Arten wie z. B. dem Schwarzstorch oder dem Kleinen Ampferfeuerfalter.

Der Aufbau eines intakten Biotopverbundsystems, also die möglichst dichte Vernetzung der einzelnen Lebensräume, dient folglich der nachhaltigen Sicherung von heimischen Tier- und Pflanzenarten und deren Populationen einschließlich ihrer Lebensräume und Lebensgemeinschaften, sowie der Bewahrung, Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen.

Der Aufbau eines kreisweiten Biotopverbundsystems mit Schnittstellen zu den benachbarten Landkreisen und damit in der gesamten Region ist damit die herausragende zentrale Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt.

                                                                  Das Foto zeigt eine Bergwiese im Spätsommer auf dem Mühlenberg in Altenau. Die blaublühende Blume ist der Teufelsabbiss. Bergwiesen sollten möglichst einen Verbund bilden, damit sich Tiere und Pflanzen verbreiten können.

Bergwiese auf dem Mühlenberg in Altenau
© Rainer Schlicht 

Ackerwildkräuter können sich meist nur am Ackerrand halten wie die blaue Kornblume und der rote Klatschmohn
© Rainer Schlicht 

Ackerwildkräuter können sich meist nur am Ackerrand halten wie die blaue Kornblume und der rote Klatschmohn.

Blick vom Galgenberg über den Grevelberg Richtung Harz: die Hügel mit den Kalkhalbtrockenrasen sind von großen Ackerfluren umgeben, die keine Verbindungsfächen im Biotopverbund darstellen.

Blick vom Galgenberg über den Grevelberg Richtung Harz_ die Hügel mit den Kalkhalbtrockenrasen sind von großen Ackerfluren umgeben
© Rainer Schlicht 

 

Ein Hegebusch braucht in den ersten Jahren einen Zaun oder einen Einzelpflanzenschutz gegen Wildverbiss
© Rainer Schlicht 

Ein Hegebusch braucht in den ersten Jahren einen Zaun oder einen Einzelpflanzenschutz gegen Wildverbiss. Dann wächst die Rote Heckenkirsche erfolgreich.

Graswege können auch Teil des Biotoverbundes sein; sie werden immer seltener
© Rainer Schlicht 

Graswege können auch Teil des Biotoverbundes sein; sie werden immer seltener.

Das Männliche Knabenkraut (Orchis mascula) ist eine Charakterart der Kalkhalbtrockenrasen; es gehört zur Familie der Orchideen
© Rainer Schlicht 

Das Männliche Knabenkraut (Orchis mascula) ist eine Charakterart der Kalkhalbtrockenrasen; es gehört zur Familie der Orchideen.

Schafe werden als vierbeinige Landschaftspfleger gebraucht, um die Wiederbewaldung des Offenlandes zu verhindern.

Schafe werden als vierbeinige Landschaftspfleger gebraucht, um die Wiederbewaldung des Offenlandes zu verhindern.
© Rainer Schlicht 

 

 

Zielsetzung

Der Biotopverbund dient der dauerhaften Sicherung der Populationen wild lebender Tiere und Pflanzen einschließlich ihrer Lebensstätten, Biotope und Lebensgemeinschaften sowie der Bewahrung, Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen. Er soll auch zur Verbesserung des Zusammenhangs des Netzes „Natura 2000“ beitragen. (§ 21 Abs. 1 BNatSchG)

Auf regionaler Ebene sind insbesondere in von der Landwirtschaft geprägten Landschaften zur Vernetzung von Biotopen erforderliche lineare und punktförmige Elemente, insbesondere Hecken und Feldraine sowie Trittsteinbiotope, zu erhalten und dort, wo sie nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind, zu schaffen (Biotopvernetzung). (§ 21 Abs. 6 BNatSchG)

Konzeption

„Für die Aufstellung von Biotopverbundkonzepten ist die Berücksichtigung landschaftlicher Charakteristika und Entwicklungspotenziale von entscheidender Bedeutung. Die Entwicklung von Biotopverbundkonzepten und von "Landschaftsleitbildern" sollte sich daher gegenseitig ergänzen.
Die Konzeption muss für verschiedene räumliche Ebenen entwickelt werden. Dabei müssen großräumige Konzepte in kleinräumigeren berücksichtigt und zunehmend flächenkonkret umgesetzt werden;

inter-national: großräumige Verbundachsen, Berücksichtigung von Arten mit sehr großen Raumansprüchen und wandernde Arten

regional: regionale Verbundachsen, Durchgängigkeit innerhalb von Landschafts- und Naturräumen

 lokal: Biotopkomplexe, Vernetzung einzelner Biotope"

(Burkhardt et al. 2004)

Umsetzung

"Zur Entwicklung räumlich konkreter Biotopverbundsysteme sollen bundesweit gültige fachliche Auswahlkriterien angewandt werden. Neben der räumlichen Lage, Größe, Repräsentativität und Biotopausstattung der Gebiete müssen der aktuelle Zustand und das Entwicklungspotential sowie ihre ökologische Funktion zentrale Qualitätskriterien für ihre Eignung als Bestandteile eines Biotopverbundsystems bilden.
Fachliche Empfehlungen zur Umsetzung eines "länderübergreifenden Biotopverbundes", so wie er im § 20 Abs. 2 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) gefordert wird, wurden von einem Arbeitskreis der Länderfachbehörden mit dem BfN erarbeitet (Burkhardt et al. 2004)
Ein Biotopverbundsystem setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen:

• Kernbereiche sollen den heimischen Arten stabile Dauerlebensräume sichern. Sie umfassen Reste natürlicher bzw. naturnaher und halbnatürlicher Flächen umgeben von Puffer- und Entwicklungsflächen, die eine negative Auswirkung der intensiv genutzten Landschaft auf die Kernbereiche verhindern sollen. Letztere können für sich schützenswert sein oder ein Entwicklungspotential hin zu naturnahen Lebensräumen besitzen.
• Verbundelemente sind Flächen, die den genetischen Austausch zwischen den Populationen von Tieren und Pflanzen der Kernbereiche sowie Wanderungs-, Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse gewährleisten bzw. erleichtern sollen. Sie können als Trittsteine oder Korridore ausgebildet sein.
• Die umgebende Landschaftsmatrix soll für Organismen weniger lebensfeindlich und damit durchgängiger werden. Dies kann durch Mindestqualitätsanforderungen an die Nutzung geschehen, die durch eine flächige Extensivierung häufig erfüllt würden.“
(Quelle: Internetseiten des BfN)

 

Der Biotopverbund besteht gemäß § 21 Abs. 3 BNatSchG aus Kernflächen, Verbindungsflächen und Verbindungselementen.  Kernflächen können z.B. Nationalparke, Natur- und Landschaftsschutzgebiete und Naturparke sein. In Südniedersachsen ist dies der Naturpark "Harz/Niedersachsen". Für diesen Naturpark wurde im September 2015 der Naturparkplan fertiggestellt:

Der Naturparkplan "Harz/Niedersachsen" [PDF: 9,2 MB]

Naturparkplan Harz _Karte über Verwaltungsgliederung und Lage im Raum [PDF: 4,4 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen Karte 2_Natur- und Landschaftsschutzgebiete [PDF: 5 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen Karte 3 Natura 2000 [PDF: 4,6 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen Karte 4 thematische Freizeitwege [PDF: 2,9 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen- Themenkarte 1- Naturparke in der Harzregion [PDF: 2,1 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen- Themenkarte 2- Karstwanderweg [PDF: 2,3 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen- Themenkarte 3- Harzer Baudensteig [PDF: 2,3 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen- Themenkarte 4- Weg Deutscher Kaiser und Könige [PDF: 2,3 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 5- Wanderweg E6 [PDF: 2,3 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 6- Harzer Hexenstieg [PDF: 2,2 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 7- Harzer Grenzweg [PDF: 2,3 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 8- Fernwanderweg E11 [PDF: 2,2 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 9- Harzer Försterstieg [PDF: 2,2 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 10- Harzrundweg [PDF: 2,3 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 11- Weser-Harz-Heide-Radfernweg [PDF: 2,3 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 12- Innerste-Radweg [PDF: 2,2 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 13- Europa-Radweg R1 [PDF: 2,2 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 14- Südharz-Eisenbahn-Radweg [PDF: 2,3 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 15- Deutsche Fachwerkstraße [PDF: 2,3 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 16- Spuren von Dichtern und Denkern [PDF: 2,3 MB]

Naturparkplan Harz/Niedersachsen-Themenkarte 17- Objekte der Romanik [PDF: 2,2 MB]

 

Beitrag für die Zeitschrift «Der Harz«_Plan zur Stärkung des Naturparks Harz in Niedersachsen

1. Projekt zur Umsetzung des Naturparkplans Harz

 

Bergwiese in St. Andreasberg (Jordanshöhe)- Farbtupfer im Harz
© Rainer Schlicht 
 Bergwiese in St. Andreasberg (Jordanshöhe)_ Farbtupfer im Harz

Blick vom Rammelsberg auf die Welterbestadt Goslar
© Christina Baer 
 Blick vom Rammelsberg auf die Welterbestadt Goslar

 

Oderstausee im Landkreis Osterode am Harz
© Christina Baer 
 Oderstausee im Landkreis Osterode am Harz

 

Semmelwieser Teich im Südwesten Clausthals als Teil der Oberharzer Wasserwirtschaft
© Eike Steinborn 
 Semmelwieser Teich im Südwesten von Clausthal als Teil der Oberharzer Wasserwirtschaft

Vorläufiges Konzept eines Biotopverbundes im Landkreis Goslar

Im Landkreis Goslar sind eine Vielzahl von Biotoptypen vertreten. Daraus wurden beispielhaft 9 Biotoptypen ausgewählt. Bei der Auswahl maßgeblich waren dabei folgende Kriterien:

Der Landkreis Goslar ist knapp 1000 km² groß und im Naturraum Harz gelegen. Niedersachsenweit betrachtet, ist der Landkreis Goslar mit Blick auf seine Naturausstattung etwas Besonderes. Mit dem Wurmberg bei Braunlage beherbergt er den höchsten Berg Niedersachsens. Es gibt noch wenige andere Erhebungen des Berglandes im Südosten Niedersachsens, allerdings keinen in dieser hohen und schroffen Ausprägung und mit diesen extremen klimatischen Bedingungen. Die intensive Bergbauvergangenheit und die damit verbundenen Umweltbelastungen des Harzes und seines Vorlandes haben zur Entwicklung besonderer Biotoptypen geführt, die in Niedersachsen auch in dieser Fülle einzigartig sind. Im Landkreis Goslar liegen 99,9 % aller Schwermetallrasen und 76,4 % aller Bergwiesen in Niedersachsen.

Aber auch bei den Kalkhalbtrockenrasen, der Felsvegetation und Bergschuttflur als auch bei den Bergheiden, den Bergbächen, ehemaligen Steinbrüchen, Auenwäldern, Staugewässern, Niedermooren und Sümpfen nimmt der Landkreis Goslar eine herausragende Stellung ein. Bezogen auf die Landkreisfläche ist die Flächengröße und Qualität dieser Biotope überdurchschnittlich.

Insofern wurden in dieses Biotopverbundsystem für den Landkreis Goslar alle diese bedeutsamen und typischen Biotoptypen mit dem Ziel der Erhaltung, Vergrößerung, Neuschaffung und Vernetzung aufgenommen.

Als zusätzliches Element wurden die Eichenwälder erkannt, weil gerade die Insekten- und Vogelwelt an alten Eichen besonders vielfältig ausgeprägt ist.

In einem zweiten Schritt wurden den ausgewählten Biotoptypen insgesamt 19 charakteristische Leitarten zugeordnet.

Repräsentative Biotoptypen im Landkreis Goslar

  • Bergwiesen
  • Kalk-Halbtrockenrasen
  • Zwergstrauchheiden
  • Schwermetallrasen
  • Fließgewässer des Berg- u. Hügellandes 
  • Eichenwälder
  • Auenwälder
  • ehemalige Steinbrüche
  • Felsen

  •  

    Leitarten

    • Schwarzstorch, (Ciconia nigra)
    • Mittelspecht, (Dendrocopos medius)
    • Neuntöter, (Lanius collurio)
    • Uhu, (Bubo bubo) 
    • Wanderfalke, (Falco peregrinus)
    • Wasseramsel, (Cinclus cinclus)
    • Wendehals, (Jynx torquilla)
    • Kleiner Ampfer-Feuerfalter, (Lycaena hippothoe)
    • Geburtshelferkröte, (Alytes obstetricans)
    • Feuersalamander, (Salamandra salamandra)
    • Europäische Wildkatze, (Felis silvestris)
    • Calluna-Heidekraut, (Calluna vulgaris)
    • Eiche = Stiel- und Traubeneiche, (Quercus robur, petrea)
    • Hallersche Grasnelke, (Armeria maritima ssp. halleri)
    • Gewöhnlicher Fransenenzian, (Gentianopsis ciliata)
    • Gewöhnliche Skabiosen-Flockenblume, (Centaurea scabiosa)
    • Gewöhnlicher Bärwurz, (Meum athamanticum)
    • Wald-Storchschnabel, (Geranium sylvaticum)
    • Echte Arnika, (Arnica montana)

    Der Schwarzstorch als Gesicht des Landkreises Goslar

    Schwarzstorch in der Schildau
    © Thomas Dunz 

    Der Landschaftsrahmenplan für den Landkreis Goslar greift diese landesweite Betrachtung der im Landkreis Goslar typischen Biotoptypen auf und vertieft sie. Zusätzlich legt er Maßnahmen zur Stützung bestimmter Tierarten fest. Vor diesem Hintergrund hat ein Arbeitskreis die Leitarten von Tieren und Pflanzen ausgewählt und zum Teil ergänzt.

    Der Schwarzstorch wurde darüber hinaus zur Hauptleitart und zum Sympathieträger für das Biotopverbundsystem im Landkreis Goslar ausgewählt. Er ist einer der wenigen im Landkreis Goslar brütenden Großvögel und repräsentiert in besonderer Weise die Hauptlebensräume (alte) Laubwälder und Bäche des Berg- und Hügellandes. Er ist bekannt und genießt ähnlich wie der ihm sehr ähnliche, nur wenig größere Weißstorch große Sympathien in der Bevölkerung. Sein Bestand hat seit 20 Jahren zugenommen. Ganz so einfach wie den Weißstorch kann man ihn wegen seiner eher heimlichen Lebensweise nicht beobachten. Doch mit etwas Aufmerksamkeit wird man ihm begegnen, wenn er an Bächen, Tümpeln und Kiesseen nach Nahrung sucht, so z.B. an Nette, Schilau, Innerste, Oker und Radau.

    In den ausgeräumten Ackerfluren findet der Schwarzstorch kein Futter, sondern nur in Feuchtbiotopen, die es in einem Biotopverbund auch neu zu schaffen gilt. Auch wenn Schwarzstörche gut fliegen können, bestimmt die Nahrungsgrundlage in geeigneten Biotopen die Populationsdichte, d.h. die Anzahl der Vögel in einer Region. Insofern ist der Schwarzstorch aus drei Gründen eine ideale Hauptleitart für ein Biotopverbundsystem im Landkreis Goslar:

    Je dichter ein Netz von Biotopen geknüpft wird, desto mehr wird auch der Schwarzstorch davon profitieren, indem sich seine Anzahl erhöht,
    desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, einen Storch in freier Natur beobachten zu können und
    umso mehr werden viele andere Tier- und Pflanzenarten in den Biotopen von den Lebensraumverbesserungen begünstigt und sie werden sich ebenfalls in ihren Beständen positiv entwickeln.

    Ziele im Landkreis Goslar bezüglich des Biotopverbundes

    • Die für den Landkreis Goslar typischen und sowohl regional als auch überregional bedeutsamen Biotope werden in ihrem Bestand gesichert, zu einem besseren Zustand entwickelt, vergrößert und miteinander zu einem Biotopverbundsystem vernetzt.

     

    • Die Lebensbedingungen für die in diesen Biotopen typischerweise lebenden Arten werden nachhaltig gesichert und verbessert.

     

    • Maßstab soll dabei die nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen für die jeweils festgelegte Leitart sein. Hierzu ist ein regelmäßiges Monitoring erforderlich.

    Werkzeuge

    Zur Umsetzung eines Biotopverbundsystems können ganz unterschiedliche Mechanismen eingesetzt werden. Unabhängig von Verantwortlichkeiten sowie ohne den Anspruch auf Vollständigkeit können folgende Werkzeuge eingesetzt werden:

    • Werkzeuge zur praktischen Umsetzung (Mit welchen praktischen Maßnahmen sollen die Ziele erreicht werden?)
    • Ausweisung und Umsetzung von Schutzgebieten
    • Einrichtung von Flächenpools gezielt dort, wo Lückenschlüsse erzielt werden müssen
    • Lenkung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in bestehende Lücken im Verbund zur Verbesserung der Korridorfunktion
    • Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Biotopeigenschaften, d. h. Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen innerhalb und außerhalb von Schutzgebieten zugunsten des Artenschutzes
    • Renaturierung von Fließgewässern und Aufweitung von Uferrandstreifen
    • Entwicklung kooperativer Lösungsansätze mit der Landwirtschaft z. B. Förderung der Produktionsintegrierten Kompensation (PIK)
    • Interkommunale Zusammenarbeit (bei Kreis übergreifenden Schutzgebieten oder Lebensräumen)


    Werkzeuge zur finanziellen Umsetzung

    • Fördermittel (aus Naturschutz und Landwirtschaft) z. B. LEADER und ILE
    • Ersatzgeldzahlungen
    • von Investoren finanzierte Maßnahmen im Rahmen der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung
    • gemeindliche Entwicklungsmaßnahmen zur Kompensation bei B-Plänen
    • Spenden und ehrenamtliche Arbeit auch im Rahmen der Umweltbildung z. B.
      - BUND, Nabu 
      - Aktion Naturland Seesen e.V.
      - Natur- und Umwelthilfe Goslar
      - Jägerschaften Goslar und Seesen (Anpflanzen von Hegebüschen)
    • Kooperation mit anderen Körperschaften oder Institutionen, z. B.
      - Nationalpark Harz
      - Niedersächsische Landesforsten AöR
      - Bundeswehr
      - BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben z.B. Sparte Bundesforst - Truppenübungsplatz)
      - Gewässerunterhaltungsverbände

    Werkzeuge zur rechtlichen Sicherung (Wie kann Nachhaltigkeit erzielt werden?)

    • Flächenankauf
    • Vertragsnaturschutz
    • Grunddienstbarkeiten
    • Baulasten
    • städtebauliche Verträge
    • textliche Festsetzungen in Bebauungsplänen
    • Integration der Verbundplanung in die Regionalplanung und in den Landschaftsrahmenplan

    Kartografische Darstellung des Biotopverbundsystems im Landkreis Goslar (Entwurf)

    Biotopverbund im Landkreis Goslar Übersicht [PDF: 8,8 MB]

    Biotopverbund Teilbereich West [PDF: 8,2 MB]

    Biotopverbund Teilbereich Mitte [PDF: 8 MB]

    Biotopverbund Teilbereich Ost [PDF: 7,1 MB]

    Fließgewässerentwicklung Teilbereich West [PDF: 5,5 MB]

    Fließgewässerentwicklung Teilbereich Mitte [PDF: 6,6 MB]

    Fließgewässerentwicklung Teilbereich Ost [PDF: 6,5 MB]

    Wald- und Gehölzentwicklung TeilbereichWest [PDF: 8,7 MB]

    Wald- und Gehölzentwicklung Teilbereich Mitte [PDF: 8,7 MB]

    Wald- und Gehölzentwicklung Teilbereich Ost [PDF: 7 MB]

    Die gute fachliche Praxis der Heckenpflege in der Landwirtschaft