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Amphibienschutz

 
Grasfrosch auf Moos
© iStockphoto.com/Nailia Schwarz 

Wissenswertes über Amphibien

Zu den Lurchen (Amphibien) gehören Salamander, Molche, Unken, Kröten und Frösche. Von den 19 in Niedersachsen heimischen Lurcharten müssen 11 als "vom Aussterben bedroht", "stark gefährdet" oder "gefährdet" eingeschätzt werden.            

Um die Öffentlichkeit zu informieren und um Gebiete, in denen gefährdete Arten vorkommen, wirksam zu schützen, wurden die Tiere in die sogenannte "Rote Liste" aufgenommen. Die einzelnen Gefährdungskategorien definieren sich wie folgt:

 0 ausgestorben oder verschollen
Arten, die im Bezugsraum Niedersachsen und Bremen verschwunden sind oder von denen keine wild lebenden autochthonen Populationen mehr bekannt sind.

1 vom Aussterben bedroht
Arten, die so schwerwiegend bedroht sind, dass sie in absehbarer Zeit aussterben, wenn die Gefährdungsursachen fortbestehen bzw. neues Gefährdungspotenzial hinzukommt. Ein Überleben im Bezugsraum kann nur durch sofortige Beseitigung der Ursachen oder wirksame Schutz- und Hilfsmaßnahmen für die Restbestände dieser Aren gesichert werden.

2 stark gefährdet
Arten, die stark zurückgegangen oder durch laufende bzw. absehbare menschliche Einwirkungen erheblich bedroht sind. Wird die aktuelle Gefährdung der Art nicht abgewendet, rückt sie voraussichtlich in absehbarer Zeit in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“ auf.

3 gefährdet
Arten, die merklich zurückgegangen oder durch laufende bzw. absehbare menschliche Einwirkungen bedroht sind. Wird die aktuelle Gefährdung der Art nicht abgewendet, rückt sie voraussichtlich in absehbarer Zeit in die Kategorie „stark gefährdet“ aus.

G Gefährdung unbekannten Ausmaßes
Arten, die gefährdet sind. Einzelnen Untersuchungen lassen eine Gefährdung erkennen, aber die vorliegenden Informationen reichen für eine exakte Zuordnung zu den Kategorien 1 bis 3 nicht aus.

V Vorwarnliste
Arten, die merklich zurückgegangen sind, aber aktuell noch nicht gefährdet sind. Bei Fortbestehen von bestandreduzierenden Einwirkungen ist in naher Zukunft eine Einstufung in die Kategorie „gefährdet“ wahrscheinlich.

*ungefährdet

♦ nicht bewertet
Für diese Arten wird keine Gefährdungsanalyse durchgeführt.

Die übrigen Arten (Bergmolch, Feuersalamander, Fadenmolch, Teichmolch, Erdkröte, Teichfrosch, Grasfrosch und Seefrosch) stehen nicht auf der "Roten Liste", haben aber auch teilweise schon beträchtliche Bestandseinbußen hinnehmen müssen.


Quelle ist die Zeitschrift „Rote Listen und Gesamtlisten der Amphibien und Reptilien in Niedersachsen und Bremen (Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen ) 4. Fassung, Stand Januar 2013


Ursachen des Artenrückgangs

Die Ursachen des Artenrückgangs sind vielfältig. Eingriffe und Beeinträchtigungen der Lebensräume (insbesondere Kleingewässer) stehen hier im Vordergrund. Durch Nutzungen wie Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Bodenabbau, Fischbesatz, Besiedlung, Straßenbau, Abfalldeponierung, Erholung und Freizeitsport werden die Kleingewässer in hohem Maße beeinträchtigt oder gänzlich zerstört. Hinzu kommen Schadstoffeinwirkungen durch Immissionen aus Landwirtschaft, Verkehr und Industrie.
Eine weitere wichtige Rückgangsursache ist die zunehmende Isolation der Populationen durch "amphibienfeindliche" Faktoren. Dazu zählen in erster Linie die Zerschneidung der Landschaft durch ein immer dichter werdendes Straßennetz sowie die flächenhafte Monotonisierung durch die Großflächenbewirtschaftung der industriellen Agrarwirtschaft. 

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Wanderbewegungen der Amphibien

Im Frühjahr machen sich die Lurche auf die Wanderung von ihren Winterquartieren (vorwiegend Waldgebiete) zu den Laichgewässern. Die Laichwanderung richtet sich nicht nur nach der Jahreszeit, sondern auch nach der Witterung. Sie beginnt in der Zeit von Ende Februar bis Anfang Mai zwischen der Abend- und der Morgendämmerung, wenn die Temperaturen nachts mindestens 5 Grad Celsius erreicht haben. Wenn dann an milden Abenden noch Regen einsetzt, ist mit verstärkten Märschen zu rechnen. Die Strecken, die dabei zurückgelegt werden, können 3 Kilometer oder mehr betragen.

Nach dem Ablaichen ziehen sich die Tiere in ihre Sommerlebensräume zurück. Im Herbst dann suchen die Amphibien ihre Winterquartiere auf, bevor die Wanderung zum Laichquartier im Frühjahr erneut beginnt.

Doch bevor für Nachwuchs gesorgt werden kann, sind die Tiere auf ihren Wanderungen zahlreichen Gefahren ausgeliefert, da zum Teil stark befahrene Straßen die Wanderwege kreuzen. Der aufgewärmte Asphalt lädt die Wandergesellen zum Verweilen ein. Durch das Scheinwerferlicht erschrecken die Tiere und erstarren. Durch den Sog schnell fahrender Fahrzeuge werden Kröten, Frösche und Molche durch die Luft geschleudert und erliegen dann ihren Verletzungen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Amphibien nur langsam bewegen und somit für das Überqueren der Straßen mehrere Minuten brauchen. 

2 Erdkröten

 

        Auf den Fotos sehen Sie ein Erdkröten-Paar.

    

2 Erdkröten
© Rainer Schlicht (2 Fotos) 

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Hilfsangebote und Strategien zur Rettung

Um die Tiere vor dem Straßentod zu retten, gibt es diverse Möglichkeiten: 
                                                                                           
Hinweisschilder (gegebenenfalls in Verbindung mit einer Geschwindigkeitsreduzierung)  
                                                                                                                                                                     Abbildung eines Hinweisschildes
Das Aufstellen von Schildern würde lediglich die Öffentlichkeit auf die Amphibienwanderung aufmerksam machen. Ein wirksamer Schutz der Tiere wird damit aber nicht erreicht. Aus diesem Grunde werden die im Landkreis Goslar mit Krötenwarnschildern versehene Strecken von freiwilligen Helferinnen und Helfern betreut, die sogenannte Amphibienschutzzäune errichten. Es gibt zwei Arten von Warnschildern. Da wären zunächst die dreieckigen weißen Schilder mit grünem Rahmen auf denen eine schwarze Kröte zu sehen ist. Da diese Schilder jedoch permanent (also auch tagsüber zu Zeiten, in denen keine Krötenwanderungen stattfinden) sichtbar sind, haben diese offensichtlich nicht die gewünschte Wirkung auf die Verkehrsteilnehmer. Aus diesem Grunde wurden nun an diversen Wanderstrecken sogenannte Klapptafeln errichtet. Diese Schilder wurden mit dem Zeichen Gefahrstelle (dreieckiges weißes Schild mit rotem Rahmen und schwarzem Ausrufezeichen) sowie dem Zusatzzeichen "Symbol Kröte" versehen. Sie werden nur zu Beginn einer tatsächlichen Wanderung auf- und am Ende wieder zugeklappt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Schilder von den Verkehrsteilnehmern besser angenommen werden und die Geschwindigkeit dementsprechend reduziert wurde.

Um den Tieren ein gefahrloses Überqueren der Straßen zu ermöglichen, appelliert die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Goslar an alle Verkehrsteilnehmer, an den mit den Krötenwarnschildern ausgestatteten Strecken besondere Vorsicht walten zu lassen und den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Ein umsichtiges Fahrverhalten ist nicht nur für die Tiere, sondern auch für die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer, die die Amphibienschutzzäune errichten und morgens und abends die Amphibien über die Straße tragen, wichtig. Um die Verkehrsteilnehmer auf aktuell stattfindende Wanderungen vorzubereiten, sind an den meisten Sammelstrecken im Landkreis Goslar sogenannte "Klappschilder" installiert worden. Wenn diese Schilder aufgeklappt sind, kann man davon ausgehen, dass die Straßen durch die Tiere verstärkt frequentiert werden. Aber auch an Strecken, die mit den permanent sichtbaren grün-weiß-schwarzen Schildern bestückt sind, sollte man an o. g. Tagen auf Wanderungen vorbereitet sein.   


Errichten von Amphibienschutzzäunen

Zu Beginn der Amphibienwanderungen im Frühjahr werden die Schutzzäune, die aus unterschiedlichen Materialien bestehen an einer (Zug zum Laichgewässer) oder auch ggf. beiden (Zug zum und vom Laichgewässer) Straßenseiten errichtet. Diese Zäune sind ca. 40-50 cm hoch und werden so eingegraben, dass die Tiere nicht darunter hindurch auf die Straße gelangen können. Zusätzlich werden in Abständen von ca. 15-20 m Eimer bündig mit der Erdoberfläche installiert. Die dort hineingefallenen Tiere werden dann sicher auf die andere Straßenseite gebracht.

Diese Maßnahme ist sehr effektiv, stellt aber aufgrund des hohen Zeitaufwandes und einer ständig notwendigen Betreuung keine befriedigende Lösung des Problems dar. 


Straßensperrungen 

Straßen können während der Amphibienwanderungen gesperrt werden. Straßensperrungen sind zwar effektiv, lassen sich aber aufgrund der starken Frequentierung der meisten Straßen leider nicht überall verwirklichen. Im Landkreis Goslar ist bislang lediglich eine Straße betroffen. Es handelt sich hierbei um die Gemeindestraße, die zwischen Astfeld und Langelsheim nach Wolfshagen abzweigt.


Schaffen von Ersatzlaichgewässern

Die Ersatzlaichgewässer werden auf der Straßenseite des Winterlebensraumes der Tiere angelegt, so dass mittelfristig im Frühjahr keine Straßenquerung mehr erforderlich ist. Die Amphibien müssen aufgrund ihrer Ortstreue (die Tiere setzen in der Regel ihren Laich in dem Gewässer ab, in dem sie selbst zur Welt gekommen sind)  einige Jahre lang im Frühjahr auf der Wanderung zu ihren alten Laichgewässern abgefangen und in das neue Laichgewässer umgesetzt werden. Die Ersatzlaichgewässer müssen in den ersten Jahren eingezäunt werden. Damit werden die Tiere „gezwungen“, dort abzulaichen.
Im Landkreis Goslar wurden in der Vergangenheit diverse Ersatzlaichgewässer angelegt, z. B. in der Mergelkuhle beim Krähenholz (Vienenburg), im Naturschutzgebiet Tönneckenbach-Röseckenkopf (zwischen Göttingerode und Oker), am Mottenberg (Vienenburg) sowie in Heimerode.  


Krötentunnel in Verbindung mit Leiteinrichtungen 

Ziel ist es hier, die Amphibien langfristig und ohne großen Aufwand sicher auf die andere Straßenseite zu bringen. Bei dieser Maßnahme wird die Straße von Tunneln unterquert, zu denen die Tiere durch entsprechende Leiteinrichtungen geführt werden. Im Landkreis Goslar wurde diese Schutzmaßnahme zum Beispiel beim Neubau der B 6n in Höhe der "Sieben Teiche" (bei Goslar) ergriffen. Weiterhin gibt es Tunneleinrichtungen in Vienenburg am Krähenholz und zwischen Wöltingerode und Weddingen.