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Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADS / HKS)

In Kindergärten, Schulen oder im häuslichen Bereich werden zuweilen Klagen geäußert über Kinder, die scheinbar ständig in Bewegung sind, durch Aggressivität gegenüber Gleichaltrigen und teilweise auch Erwachsenen auffallen und vielfach auch ihre Aufmerksamkeit nicht auf die geforderten Aktivitäten richten können.
Man geht davon aus, dass ca. 3 – 6% aller Kinder davon betroffen sind, ca. 9% der Jungen und ca. 3% der Mädchen. Ca. 2% aller Kinder zählen zu den „echten“ HKS – Trägern. Bei weiteren 6 – 8% ist die Abgrenzung der Diagnose schwierig. Hierein spielt die Frage, wann Unruhe ein Problem wird. Oft kommen die Familie und auch die Lehrkräfte mit vermeintlich hyperaktiven Kindern zurecht. Problematisch wird es, wenn alle Beteiligten in einem Negativ-Kreislauf stecken, der als scheinbar nicht veränderbar erlebt wird.
Im Berichtsjahr 2000 waren 10,8 % der in der BEKJ angemeldeten Kinder von einer Aufmerksamkeitsstörung und / oder einer Hyperaktivitätsstörung betroffen.

Erklärungen für das Entwicklung von ADS / HKS

Dabei ist dieser Problembereich keine neue Erscheinung. Wer kennt nicht den „Suppenkasper“ und „Hans-guck-in-die-Luft“ aus dem Struwwelpeter, einem Kinderbuch aus dem 19. Jahrhundert. Dort wird im Grunde ein Verhalten beschrieben, das heute als Hyperaktivitäts- und/oder Aufmerksamkeitsdefizitstörung diagnostiziert würde.
Ab Mitte der 60er Jahre wurde dieses Verhalten einer „MCD“, d.h. minimale zerebrale Dysfunktion, zugeschrieben. Man vermutete, dass minimale Schädigungen vor oder während der Geburt, wie z.B. Sauerstoffmangel, zu späteren Entwicklungsproblemen führten. Die betroffenen Kinder wurden als motorisch unbeholfen, konzentrationsschwach, grundlos aggressiv und unruhig beschrieben.
In den 70er und 80er Jahren wurde vermutet, dass die ständige Unruhe dieser Kinder mit bestimmten Nahrungsmitteln zusammenhängt. So wurde angenommen, dass der Konsum von phosphathaltigen Nahrungsmitteln und zuckerhaltigen Lebensmitteln zu verstärkter Unruhe und Konzentrationsproblemen führt. Von diesem Erklärungsansatz sind inzwischen alle Fachleute abgerückt, da es dafür keinerlei wissenschaftliche Bestätigung gibt. Vielmehr scheinen die Mehrzuwendung und positive Erwartungshaltung der erziehenden Personen die positiven Verhaltensänderungen bei den Kindern bewirkt zu haben.
 
Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse weisen darauf hin, dass evtl. unter anderem Störungen des Neurotransmitterstoffwechsels, speziell des Dopamin-Haushalts, zur Entstehung der hyperkinetischen Störung beitragen. 

Symptome von ADS / HKS

In den letzten Jahren ist die Diagnose „Hyperkinetische Störung“, „Aufmerksamkeitsdefizitstörung“ oder „Hyperaktivität“ durch zahlreiche Publikationen zunehmend in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Wie äußert sich nun die hyperkinetische Störung? Das Kind fällt durch störendes Verhalten auf, redet dazwischen, neigt zu impulsiven Ausbrüchen, ist motorisch unruhig, leicht ablenkbar, träumt, zeigt oppositionelles Verhalten, zu Hause gibt es Probleme bei den Hausaufgaben, für die es sehr lange braucht wegen seiner Ablenkbarkeit. Fast immer bestehen auch massive Geschwisterkonflikte. Zu Gleichaltrigen findet es kaum Kontakt, will ständig dominieren, was die Mitschüler abstößt. In der psychologischen Testsituation verhält es sich unruhig und ist ebenfalls leicht ablenkbar.

Diagnostik von ADS / HKS

Man spricht also von einer hyperkinetischen Störung (HKS), wenn  ausgeprägte Auffälligkeiten in drei Kernbereichen auftreten: Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwächen, impulsives Verhalten und ausgeprägte Unruhe. Diese Symptome müssen sehr intensiv ausgeprägt sein, situationsübergreifend häufig und stabil auftreten und im Kleinkindalter begonnen haben. In der Folge kann es zu weiteren Beeinträchtigungen wie verstärkter Aggressivität, Leistungsproblemen und emotionalen Störungen kommen.
Differentialdiagnostisch muss abgeklärt werden, ob die Kinder einfach „nur“ lebhaft sind oder in einem oder allen drei Kernbereichen sich deutlich in Ausmaß und Stärke der Probleme von Kindern gleichen Alters und gleicher Grundbegabung unterscheiden.
 
Eine ausführliche Anamnese und spezielle Exploration, Verhaltensbeobachtung des Kindes und Einsatz von Fragebögen für Eltern, Lehrer und Kind vermindern die Gefahr von Fehldiagnosen.
 
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Diagnose „Hyperkinetische Störung“ immer auch eine Etikettierung bedeutet, die Nutzen haben, wie auch Schäden anrichten kann. Betroffene Eltern sind je nach eigenem vorangegangenem Leidensdruck entweder entlastet oder auch schockiert und verunsichert.

Behandlungsmöglichkeiten von ADS / HKS

Die Behandlungsansätze liegen im psychologischen und medizinischen Bereich. In der Beratungsstelle wird vorrangig mit den Eltern erarbeitet, welches positive Lernklima und Erziehungsverhalten ihr Kind braucht. Daneben werden mit dem Schüler selbst Techniken zur Selbstregulation erarbeitet. Die Einbeziehung von Klassenlehrern ist ebenso wichtig, um stabile Verhaltensänderungen zu erreichen.
 Weiterhin gilt es abzuklären, ob die verhaltenstherapeutische Behandlung allein ausreicht oder zusätzlich ergotherapeutische und/oder medikamentöse Behandlung notwendig ist. Als Kriterium für den Einsatz von Medikamenten (meist Ritalin, Medikinet) gilt eine sehr starke Ausprägung der Symptomatik, die dem Kind eine Anpassung an das Schulleben unmöglich macht. In seltenen Fällen ist erst durch den Einsatz einer Medikation eine weitere psychologische Behandlung möglich.

Veränderungsmöglichkeiten Zuhause bei ADS / HKS

Zweifellos sind hyperaktive Kinder sehr anstrengend für ihre Umgebung. Aufgrund ihrer eingeschränkten Selbstregulationsmöglichkeiten brauchen sie besondere Orientierungshilfen seitens der Eltern. Das bedeutet, Eltern sollten konsequent erziehen, sich kümmern und interessieren und auf die Einhaltung von aufgestellten Regeln achten. Der oft bestehende Teufelskreis negativer Interaktionen sollte ersetzt werden durch bewusstes Leben angemessener Verhaltensweisen. Unmittelbare Konsequenzen, reizarme Rahmenbedingungen und ein geregelter Tagesablauf sind wichtige Voraussetzungen, die die gewünschten Verhaltensänderungen beim Kind erst ermöglichen.

Resümee

Insgesamt sind Kinder heute einer größerem Reiz- und Informationsüberflutung ausgesetzt. Das Leben läuft für Erwachsene wie auch für Kinder hektischer ab. Die Kinder wirken daher heute lebhafter oder unruhiger als in früheren Generationen, in denen Kinder unter von mehr Kontinuität getragenen Lebensbedingungen aufwuchsen. Mit der Etikettierung „Hyperaktivität“ sollte daher sehr vorsichtig umgegangen werden.