Inhalt
Datum: 2. Dezember 2025

Netzwerken für mehr Bio-Produkte bei der Verpflegung in Schulen und Kindergärten

Öko-Modellregion bringt rund 30 Akteure zusammen / Erste Impulse für eine gesündere Gemeinschaftsverpflegung

Wie können Bio-Produkte Einzug in die Gemeinschaftsverpflegung in Schule, Hort oder Kindergarten halten, und wie lassen sich die verschiedenen Akteure besser miteinander vernetzen? Mit dieser Zielsetzung haben sich in der vergangenen Woche rund 30 Teilnehmer auf Einladung der Öko-Modellregion (ÖMR) im Landkreis Goslar im Kreishaus getroffen.

Nach kurzer Begrüßung durch Nikolaus Roleff, Projektleiter der Öko-Modellregion, führte Michael Marquardt, Leiter des Projektes „Niedersachsen is(s)t Bio“ mit Zahlen, Daten und Fakten in die Welt der Gemeinschaftsverpflegung ein. Dabei machte Marquardt unter anderem deutlich, dass die Mahlzeiten in Unimensen, Betriebskantinen sowie Schulen und Kindergärten unter einem enormen Kostendruck stehen. Vor allem Studenten erwiesen sich als äußerst preissensibel, weshalb die versuchsweise Einführung von Bio-Produkten in einigen niedersächsischen Uni-Mensen wieder eingestellt wurde.

Das soll aber nicht heißen, dass Bio-Produkte keine Chance in der Gemeinschaftsverpflegung haben. Den Beweis dafür tritt seit vielen Jahren Stefan Gerhart mit seinem Unternehmen „Frischeküche“ aus Braunschweig an. Der gelernte Koch, der auch in der Sterneküche aktiv war, blickt inzwischen auf 35 Jahre Branchenerfahrung zurück und kennt sich mit Schulverpflegung bestens aus. Seit 2012 liegt sein Fokus auf diesem Bereich.

Als Leiter einer großen Schulmensa hat Gerhardt belegt, dass 500 tägliche Mahlzeiten frisch, gesund und bezahlbar sein können. Den Anteil an Bio-Lebensmitteln konnte er über die Jahre stetig steigern.

Im Kreishaus ließ er die Teilnehmenden an seinen Erfahrungen teilhaben und beleuchtete in seinem Vortrag die Herausforderungen einer gesunden und nachhaltigen Schulverpflegung. Er bestätigte, dass das Kochen mit regional bezogenen Bioprodukten zwar teurer aber dennoch wirtschaftlich und aus unternehmerischer Sicht auch profitabel sein kann.

Dr. Marie Wendt von der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft (MGN) stellte das Projekt „Niedersachsen is(s)t Bio“ vor, mit dem das Land das Angebot von Bio-Lebensmitteln in der niedersächsischen Gemeinschaftsverpflegung erhöhen will. Hier sind insbesondere die Öko-Modellregionen gefragt, weshalb die hiesige ÖMR als Kooperationspartner agiert.

Dr. Marie Wendt bewertet die Chancen für eine Erhöhung von Bio-Produkten in der Verpflegung von Schulen und Kitas als gut: „Sowohl politische Zielsetzungen auf Landesebene als auch der zunehmende gesellschaftliche Wunsch nach nachhaltiger Ernährung schaffen Rückenwind. Unsere Veranstaltung in Goslar hat gezeigt, dass viele Einrichtungen offen für mehr Bio sind – sofern praktikable und finanzierbare Modelle vorliegen.“

Wichtig ist auch Sicht von Marie Wendt zunächst vor allem Hemmnisse abzubauen. „Viele Verantwortliche benötigen Sicherheit bei Kalkulation, Zubereitung und Kommunikation. Wenn diese Unterstützungsstrukturen bereitstehen“, so die Marketingexpertin, „kann Bio Schritt für Schritt stärker in Schulen und Kitas integriert werden.“

Auch ÖMR-Projektleiter Nikolaus Roleff blickt zufrieden auf die Veranstaltung und die Chancen für ein Mehr an Bio in der Gemeinschaftsverpflegung. Vor allem sieht Roleff Potential bei den lokalen Produzenten. „An der Veranstaltung haben sechs Produzentinnen und Produzenten teilgenommen und alle haben Produkte, die sie gerne auch in der Gemeinschaftsverpflegung von Schulen und Betrieben unterbringen würden“, berichtet Roleff. Dass dies grundsätzlich funktionieren könne, zeige das jüngste Beispiel der Harzbrot-Bäckerei, die mit ihren Bio-Backwaren ein lokales Catering-Unternehmen beliefern.

Um dies noch weiter auszubauen, müssten laut Roleff aber natürlich noch weitere Strukturen aufgebaut werden. „Im Landkreis fehlt es aktuell an regionalen Verarbeitungsstrukturen – Kartoffeln beispielsweise werden von Caterern fertig geschält benötigt - einen Schälbetrieb gibt es vor Ort aber nicht. Hier bedarf es der Nachbesserung und natürlich braucht es auch die Mittel um das zu bezahlen“, so Roleff.

In der Gruppenarbeitsphase habe sich laut Roleff gezeigt, dass der Bedarf, das Thema Bio und Qualität der Gemeinschaftsverpflegung weiter zu vertiefen, groß sei.

Als entscheidenden Faktor auf dem Weg zu einer Erhöhung des Bio-Anteils in der Gemeinschaftsverpflegung nennen die Teilnehmenden der Netzwerkveranstaltung die Notwendigkeit Politik und Verwaltungen von diesem Schritt zu überzeugen. Und natürlich gilt es auch die Konsumenten – sprich die Schülerinnen und Schüler – auf dem Weg zu einer gesünderen Ernährung mitzunehmen. Einig waren am Ende alle, dass gesundes Essen nicht nur bezahlbar, sondern auch den Geschmack der Kinder und Jugendlichen treffen muss. Denn ansonsten würden vor allem ältere Schüler den Weg in den nächstgelegenen Supermarkt favorisieren.

Hintergrundinformationen zum Landes-Projekt „Niedersachsen is(s)t Bio“

Mit dem Projekt „Niedersachsen Is(s)t Bio“ sollen Einrichtungen der Außer-Haus-Verpflegung wie Kantinen in Betrieben und Krankenhäusern, Schul- und Kitaverpflegung durch Vernetzungsveranstaltung und ein spezielles Coaching-Programm unterstützt werden.

Das Projekt ist dreistufig aufgebaut und begleitet Einrichtungen Schritt für Schritt auf dem Weg zu mehr Bio aus der Region:

  1. Vernetzungsphase
    In allen Öko-Modellregionen bringen das Projekt die entscheidenden Akteure – von Erzeugern über Caterer bis zu öffentlichen Trägern – miteinander ins Gespräch. Ziel ist es, regionale Strukturen sichtbar zu machen, Bedarfe abzustimmen und Hemmnisse frühzeitig zu identifizieren.
  2. Praxisphase: Begleitung von zehn Einrichtungen
    Zehn Küchen beziehungsweise Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung werden intensiv dabei unterstützt, ihre Verpflegung nach den Kriterien der Bio-AHVV auf Bio-regional umzustellen. Dazu gehören unter anderem Schulungen, individuelle Beratung, Unterstützung bei Beschaffung und Speiseplanung sowie praktische Hilfestellungen bei der Umsetzung im Küchenalltag.
  3. Prämierungs- und Sichtbarkeitsphase
    Zum Abschluss des Projektes werden 3 bis 5 Best-Practice-Beispiele aus Niedersachsen ausgezeichnet. Die Prämierung schafft Sichtbarkeit, zeigt erfolgreiche Wege in der Praxis und wirkt als Motivation für weitere Einrichtungen, ähnliche Schritte zu gehen.

Durch diese drei Projektbausteine werden sowohl strukturelle Voraussetzungen geschaffen, als auch konkrete Umstellungen begleitet und erfolgreiche Beispiele sichtbar gemacht – ein umfassender Ansatz, um Bio langfristig in der Gemeinschaftsverpflegung zu stärken.